Großenkneten - Die Forderungen der Öffentlichkeit nach mehr Tierschutz, besseren Standards für die Tiere in den Ställen und einer umweltverträglicheren Produktion stellen auch die Tierernährungsbranche vor neue Herausforderungen.
Auf der Jahrestagung der Regionalgruppe Nord des Deutschen Verbands Tiernahrung (DVT) in Großenkneten betonte Heinz Neesen, scheidender Vorsitzender der DVT-Regionalgruppe, dass sich die Branche den Herausforderungen stellen werde, kritisierte zugleich aber auch „teilweise abenteuerliche Forderungen“ aus der Politik und von Nichtregierungsorganisationen. Zudem warnte er vor drastisch steigenden Kosten und „zusätzlichen Kontrollen, die keinen Mehrwert bieten“.
Neesen sprach u.a. die Reduzierung der Ammoniakwerte im Grundwasser an, die in der neuen Dünge-Verordnung festgelegt werden soll. Würde die Verordnung wie geplant umgesetzt, müssten entweder die Tierbestände um schätzungsweise 25 Prozent abgestockt oder eine drastische Rohproteinabsenkung umgesetzt werden. „All diese Maßnahmen kosten sehr viel Geld und sind bei den derzeitigen Veredelungspreisen und der angespannten Situation nicht zu erzielen“, warnte Neesen.
Trotz aller Probleme und Veränderungen sieht Neesen, hauptberuflich geschäftsführender Vorstand bei GS Agri (Emstek), den Verband in der Region „sehr gut aufgestellt“. In der Regionalgruppe Nord habe es im vergangenen Jahr außer beim Rindviehmischfutter bei allen Tiergattungen Steigerungen gegeben.
Für Neesen war es die letzte Mitgliederversammlung als Vorsitzender der DVT-Regionalgruppe Nord. Er stelle sich nicht wieder zur Wahl und wurde mit einem großen Dankeschön für sein ehrenamtliches Engagement in dieser Position verabschiedet. Als Nachfolger und neuen Vorsitzenden wählten die Mitglieder Bernd Neteler (Wulfa-Mast/Dinklage). Dem Vorstand gehören zudem Dr. Walter Helms als stellvertretender Vorsitzender sowie Bernd Becker, Ulrich Brinkus, Jan Lahde und Albert Weersmann an.
Bei den Vorträgen im öffentlichen Teil der Regionaltagung prognostizierte Dr. Michael Steinmann vom Molkereiriesen Deutsches Milchkontor (DMK), dass auch 2016 für die Milchwirtschaft ein „extrem schwieriges Jahr“ werde. Zugleich erläuterte er, dass die gesellschaftlichen Forderungen nach einer „nachhaltigen Produktion“ konkreter werden. Die Zahl der Anfragen zur Herkunft und den Produktionsbedingungen der Vorprodukte, Rohwaren und Erzeugnisse nehme rasant zu. In einem weiteren Vortrag zeigte Dr. Saara Sander von der Tierärztlichen Hochschule Hannover Wege einer intelligenten Tierernährung mit Blick auf Umweltverträglichkeiten und Tiergesundheit auf.
