Hannover - Landvolkpräsident Werner Hilse hat davor gewarnt, Bauern in der Frage etwa des Tierwohls bei gleichzeitig niedrigen Preisen zu überfordern. Die Tierwohldiskussion bei anhaltender Schnäppchenmentalität der Verbraucher sei nur eine der Herausforderungen für die Bauern, sagte der Präsident des Landesbauernverbands auf einer Mitgliederversammlung am Mittwoch in Hannover. Die Lage der Landwirte in Niedersachsen sei angespannt: „So arg, wie es im letzten Jahr war, ist es nicht leicht, ausreichend Einkommen zu erwirtschaften“, sagte er.

Vielen Landwirten sei Tierschutz ein ernstes Anliegen, diesen gebe es aber nicht zum Nulltarif. Es müsse mehr Verständnis für die moderne Landwirtschaft geben, sagte Klaus Wiswe, Präsident des Niedersächsischen Landkreistages und Landrat im Landkreis Celle.

Im Rahmen des Tages des offenen Hofs werde dies bereits umgesetzt. Beschimpfungen von Tierrechtsaktivisten seien dagegen häufig unsachlich. Viele Landwirte erführen nicht die Wertschätzung in der Gesellschaft, die sie verdienten, kritisierte Wiswe.

Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) betonte, die Sorgen der Landwirte ernst zu nehmen. Der Gesetzentwurf zur Begrenzung des Anstiegs der Pachtpreise solle von den Landwirten konstruktiv begleitet werden. Für seine Haltung gegenüber dem Wolf wurde der Minister scharf kritisiert. Aus dem Kreis der Mitglieder wurde ein geordneter Abschussplan für Wölfe zum Schutz der Weidetiere gefordert.

Auch Wiswe erklärte, dass man auf Dauer nicht ohne eine Bestandsregulierung bei den Wölfen auskommen werde. Weiter für Diskussionen sorgten Milchpreise, Düngeverordnung und die EU-Klage gegen Deutschland wegen der zu hohen Nitratbelastung der Böden, für die die Bauern laut Wiswe eine besondere Verantwortung tragen.


An der Spitze des Verbandes gab es einen Wechsel: Jörn Ehlers aus dem Kreisverband Rotenburg-Verden wurde von den Mitgliedern zu einem von drei Vizepräsidenten gewählt, er rückt für Heinz Korte nach. Das Landvolk vertritt nach eigenen Angaben 80 000 Mitglieder. Die Mitgliederversammlung besteht aus etwa 172 Delegierten.