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Wirtschaft „Tierschutz steht heute mehr im Fokus“

Rahel Arnold

Elisabethgroden - Sein Vater Hinrich Schild bewirtschaftete noch einen Hof in Neu-Augustengroden: „Er hatte eine Hand voll Kühe und ein paar Hektar Land“, erinnert sich Landwirt Ingo Schild.

In den 1970er Jahren bot das Land Niedersachsen Landwirten die Möglichkeit zur Umsiedlung und damit zur Expansion. Sie erhielten günstige Konditionen für einen Neuanfang. Dieses Angebot nutzte auch Hinrich Schild. Er legte seinen Hof in Neu-Augustengroden still und baute im Elisabethgroden neu. „Hier war nur plattes Land“, sagt Ingo Schild und lässt den Blick über den großen Hof mit Ferienwohnungen, Gastronomie, Kartoffelveredelung und Schweinemast schweifen.

Start mit 45 Kühen

Hinrich Schild startete im Elisabethgroden mit 45 Kühen und Ackerland. Sein Sohn Ingo Schild, der inzwischen beschlossen hatte, ebenfalls Landwirt zu werden, absolvierte seine Ausbildung in Groß Holum und in Diepholz – auf beiden Betrieben wurde überwiegend Milchvieh gehalten. „Ich habe zwar noch auf Kühe gelernt, aber die Arbeit mit Schweinen hat mir schon immer Spaß gemacht“, sagt Ingo Schild. Auf dem Hof in Diepholz gab es 300 Plätze für Schweine – ein zweites Standbein und eine sehr willkommene Abwechslung für Ingo Schild.

Er startete seine berufliche Laufbahn mit 180 Schweinen auf einem gepachteten Betrieb im Wangerland vor mehr als 20 Jahren. „Wie damals üblich noch in Anbindehaltung mit Handfütterung“, sagt Schild.

Zu dieser Zeit habe sich der Gedanke der Qualitätskontrolle und der Einhaltung von einheitlichen Tierschutzstandards erst langsam in den Köpfen der Verantwortlichen festgesetzt, erinnert sich Schild. „Zuvor spielte das keine große Rolle, es ging nur um das Produkt. Und Schweinefleisch war damals gut im Preis“, sagt er. „Das waren teils schwarze Jahre, das kann man nicht schönreden.“


Ingo Schild kehrte in den 1990er Jahren auf den Hof seines Vaters zurück. Sie entschieden sich, die Milchwirtschaft aufzugeben. Die Milchquote wurde verkauft und der ehemalige Laufstall in den ersten modernen Maststall für Schweine umgebaut. Er bietet bis heute 1000 Plätze. „Damit hatte die Anbindehaltung ein Ende“, sagt Schild. Hinzu kam ein Ferkelaufzuchtstall mit etwa 1000 Mastplätzen.

Etwa zehn Jahre bauten die Schilds den zweiten Maststall mit weiteren 1000 Plätzen.

Die Ferkelaufzucht stellte Ingo Schild ein, heute hat er Platz für 2000 Mastschweine. „Ich könnte aufstocken, aber die Zeiten sind unsicher, da bleibe ich lieber bei dem, was ich habe“, sagt er. Niemand wisse, was morgen ist.

Die Schweinemast habe sich in den vergangenen 20 Jahren stark verändert. „Der Druck durch internationale Märkte und der Einfluss der Politik haben deutlich zugenommen“, sagt Schild.

Außerdem steht das Tierwohl und der Tierschutz viel intensiver im Fokus als früher. Es wird auf genügend Platz, Licht und eine angemessene Haltung geachtet. „Das halte ich auch für sinnvoll“, betont Schild. Auch die Dokumentationspflicht und die akribische Überwachung von Medikamentengabe findet er wichtig.

In seinen Mastställen kommt er überwiegend ohne die Gabe von Antibiotika aus – „es sei denn, ein Tier benötigt das Medikament aufgrund einer Krankheit unbedingt“, sagt er. Ansonsten fährt er in seinen Ställen ein intensives Hygieneprogramm. „Ich will, dass es meinen Tieren gut geht“, sagt er.

Auch die Züchtungen und die damit verbundene Leistung haben sich verändert, sagt Schild. „Früher warst Du stolz, wenn Du 700 Gramm pro Tag gemacht hast, heute machst du 1000“, sagt er. Der Nachteil: „Die Tiere sind nicht mehr so widerstandsfähig.“ Alte Hausschweinrassen gebe es nur noch in kleiner Zahl. „Das sind Liebhaber, die solche Tiere heute noch züchten“, sagt er.

In Händen der Politik

Die Zukunft der deutschen Landwirtschaft und damit auch der Schweinemast liegt laut Schild auch in den Händen der Politik.

„Früher war die Expansion und der Ausbau auf Masse politischer Wille, derzeit wollen viele Politiker eine Rolle rückwärts – das wäre auch machbar, müsste aber langsam mit Bedacht und Außenmaß erfolgen und so, dass die Betriebe daran wirtschaftlich nicht zugrunde gehen“, sagt er. „Das ist ein tonnenschweres Schiff unter Volldampf, das kann man nicht einfach so wenden.“

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