Hannover - Niedersachsen rückt in dieser Woche wieder ins Zentrum der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung. Auf dem Messegelände in Hannover startet an diesem Dienstag die weltweite Leitmesse Eurotier. Bis Freitag präsentieren 2629 Aussteller aus 58 Ländern – eine Rekordbeteiligung – Neuigkeiten rund um die moderne Tierhaltung, Fütterung und Agrar-Management. Ein Schwerpunkt in diesem Jahr sind die Themen Tierwohl und Tiergesundheit.
Stark vertreten auf der Messe, zu der mehr als 150 000 Fachleute erwartet werden, ist auch der Nordwesten. Allein 93 Aussteller kommen aus dem Oldenburger Land und Ostfriesland.
Carl-Albrecht Bartmer, Präsident der veranstaltenden Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG), betonte am Montag, dass technische Innovationen unverzichtbare Bausteine einer künftigen landwirtschaftlichen Strategie seien. „Die Nutzung technischer Fortschritte in der Land- und Ernährungswirtschaft ist ein wesentlicher Grund dafür , dass wir heute im Vergleich zur Jahrtausendwende mehr als 1,5 Milliarden Menschen zusätzlich ernähren können“, sagte er. „Dies ist eine Kennzahl, an der die Branche gemessen werden sollte.“
Zugleich mahnte Bartmer mehr Nachhaltigkeit an: „Wir sind insgesamt gesehen im Verzehr von Ressourcen, in der Belastung unserer natürlichen Lebensgrundlagen, in der Art und Weise, wie wir in Einzelfällen Tiere züchten und halten, noch nicht ausreichend nachhaltig.“
Die Geflügelbranche will sich indes gleich zum Start am geplanten staatlichen Tierwohl-Label beteiligen. „Wir müssen dabei sein, es geht gar nicht ohne uns“, sagte Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft.
Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) will das Siegel Anfang 2017 bei der weltgrößten Agrarmesse Grüne Woche in Berlin vorstellen. Damit soll Fleisch von Tieren gekennzeichnet werden können, deren Haltungsbedingungen über dem gesetzlichen Standard liegen. Geplant ist ein Start mit Schweinefleisch, möglicherweise auch mit Geflügelfleisch.
„Ein nationales Label sollte die Verbraucher in der Breite und nicht nur in Nischen ansprechen“, sagte Ripke. „In der ersten Stufe müssen messbare, reproduzierbare Kriterien als Grundlage dienen, die der Tierhalter auch dokumentieren muss.“ Ein Indikator für die Gesundheit von Geflügel sei zum Beispiel der Zustand der Fußballen. Der Verband fordert, bei dem Label das Herkunftsland zu kennzeichnen. „Der Verbraucher muss erkennen können, wo das Fleisch herkommt.“
