Dötlingen - Im Bundeslandwirtschaftsministerium verfolgt man mit Wohlwollen den gemeinsamen Ansatz von Erzeugern und Lebensmittelhandel, Maßnahmen für mehr Tierwohl voranzubringen und die Erzeuger bei nötigen Investitionen zu unterstützen. Das sei „sehr positiv“ zu sehen, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin Maria Flachsbarth (CDU) am Freitagabend beim „12. Norddeutschen Vieh- und Fleischhandelstag“ in Altona (Kreis Oldenburg). Die Initiative biete die Chance dafür, am Ende für mehr Tierschutz auch angemessene Preise zu erzielen.

Die Politikerin machte zugleich deutlich, dass ein Paket an Verordnungen vorangetrieben wird, das umgesetzt werden dürfte, wenn das Prinzip der „Verbindlichen Freiwilligkeit“ am Markt nicht befriedigend greift. Dazu könnte demnach gehören, dass neue Ställe schon in der Entwicklung Prüfverfahren durchlaufen, dass Eingriffe wie das Kupieren von Schwänzen und andere „nichtkurative Eingriffe“ auf Sicht „beendet“ werden müssen, dass die Sachkunde beim Personal und dem Tierschutz in der Schlachtung verbessert werden. Und: Maßnahmen zum Tierschutz sollen international abgestimmt werden.

Bei dem Vieh- und Fleischhandelstag mit weit über 100 Händlern aus den Verbänden Weser-Ems, Schleswig-Holstein und Hamburg sowie Hannover (Geschäftsführer Dirk Meinardus aus Varel) machte Experte Albert Hortmann-Scholten von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen deutlich, dass die Branche vor Umbrüchen steht. So schrumpfe einerseits die Erzeugung bzw. sie verschiebe sich teilweise in Richtung Osten. Zugleich sinke die Zahl der Schlachtstandorte. Das bedeute längere Transportstrecken für das Vieh, und das bei anspruchsvolleren Kunden und höheren Anforderungen. Vieh- und Fleischhandelskaufleute seien aber weiter wichtig für einen Ausgleich in den Märkten.

Hortmann-Scholten machte deutlich, dass in diversen Bereichen der Landwirtschaft zurzeit keine auskömmlichen Preise zu erzielen sind – insbesondere, seit Russland im Spätsommer seine Grenzen geschlossen habe. Stark unter Druck stehe der Milchpreis. Es stelle sich die Frage, ob drastische Preissenkungen – wie gerade von Discountern angekündigt – „moralisch“ seien.

Hortmann-Scholten geht nach der 2015 kommenden Abschaffung der Milchquote von deutlich steigender Milchproduktion in Europa aus. Profitieren werde auch der Nordwesten. Der Zwang zu mehr Effizienz bleibe aber.