TIMMEL - Mit großer Enttäuschung haben Milchbauern in Niedersachsen auf die Ablehnung ihrer Forderungen zur Stabilisierung der Preise durch den Bundesrat reagiert. Die Entscheidungen der Länderkammer seien aus Sicht der Erzeuger eine „Katastrophe“, sagte Ludwig Soeken, Landesvize des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), in Timmel (Kreis Aurich). „Die Beschlüsse der Länderkammer nützen nur der Großindustrie, die Bauern werden in ihrer jetzigen Struktur auf der Strecke bleiben“, sagte Soeken. Es sei mit Höfesterben zu rechnen: „Ein Bauer stirbt langsam, aber leidvoll.“
Die Länderkammer hatte am Freitag Vorschläge abgelehnt, die im Juli beim „Milchgipfel“ zwischen Ländern, Bauern, Molkereien und Handel vereinbart worden waren. Durch eine Senkung der Milchmengen sollten die Erzeuger bessere Preise erzielen. Für das Ziel hatten Tausende Milchbauern gestreikt und Lieferungen gestoppt.
„Früher standen Angebot und Nachfrage im Einklang. Durch eine unnötige Mengenerhöhung ist der Markt unter Druck gekommen“, kritisierte Soeken. Eine höhere Menge bedeute geringere Preise: „Dadurch wird der Markt kaputt gemacht.“ Damit habe sich die Lobbyarbeit des Großkapitals mit dem Bauernverband durchgesetzt.
Derzeit bestimme der Handel mit sechs bis acht maßgeblichen Firmen in Deutschland den Preis für die 100 000 Milcherzeuger. Von den Molkereien käme keine Unterstützung für die Milchbauern.
In anderen Branchen werde auch mit Menge und Preis gearbeitet, rechnete Soeken vor: „Im Autobau drosseln die Hersteller bei einem Rückgang der Nachfrage auch die Produktion, um die Preise nicht zu verderben. Der Preis ist das Heiligtum jeder Branche. Wir werden jedoch immer die Kleinsten sein, weil wir einzelbetrieblich rechnen und entscheiden müssen. Uns verbietet man jedoch den Zusammenschluss, der einen Einfluss auf die Milchmenge für einen fairen Preis ermöglicht. Solange sich das nicht ändert, werden wir immer als Verlierer dastehen.“ Soeken kündigte eine Fortsetzung des Kampfes zugunsten einer flexiblen Mengensteuerung an. Wie die Proteste aussehen können, ließ er offen.
