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Tischgespräch Seemänner wecken die Lust auf die Welt

Felix Frerichs
ELSFLETH - Wie oft Karin Emdakim schon die Welt umrundet hat, ist schwer zu sagen. Ein Blick in ihre Dienstbücher dürfte darüber Aufschluss geben. „Ich habe alle aufbewahrt“, sagt die 55-Jährige beim

NWZ

 -Tischgespräch und bestellt Aal mit Bratkartoffeln und Rührei.

Die Strecke vom Mond bis zur Erde wird sie in 32 Jahren als Stewardess bei der Lufthansa sicher mehrfach zurückgelegt haben – nur im übertragenen Sinne, versteht sich. Zum Vergleich: Ein Einfach-Flug bis zum Erdtrabanten beträgt rund 380 000 Kilometer.

„Elsfleth ist in den entlegensten Winkeln der Erde bekannt“, sagt sie. Karin Emdakim ist Chef-Stewardess bei der Lufthansa. Seit drei Jahrzehnten reist sie um die ganze Welt und über alle Kontinente. Von Singapur bis Sao Paulo, von Hongkong bis Kapstadt. Tokio, Los Angeles, New York. Elsfleth. Die Welt ist seit 32 Jahren ihr Zuhause. Ihre Wurzeln liegen in Elsfleth. 1956 wurde Karin Emdakim geboren, wuchs in der Grünen Straße auf. Dort, wo heute das Seniorendomizil Sandvoß steht, stand früher ihr Elternhaus. „Ich erinnere mich noch an das Schwarze Roß. Die Disco war direkt gegenüber. Da ging’s immer rund.“ Das nächste, an das die Elsfletherin denkt, ist die Sturmflut 1962.

„Ich war sechs Jahre alt. Plötzlich fuhren Ruderboote über die Hafenstraße. Ich guckte mir das Schauspiel vom Fenster aus an. Ich fand’s klasse.“ Erst später wurde ihr klar, welche Katastrophe sich damals abgespielt hat.

Im „Spieker“ in Bad Zwischenahn tischt der ergraute Kellner in originaler Ammerländer-Tracht den Aal auf. Wegen der Familie ist Karin Emdakim vor 20 Jahren von Mainz wieder in den Norden gezogen – und im Ammerland gelandet. So unglaublich es klingt: Elsfleth begegnet ihr in ihrem Beruf immer wieder. Überall auf der Welt hat sie schon Menschen getroffen, die aus Elsfleth stammen oder die die Seemanns-Stadt zumindest kennen.

„Die Seemänner“, sagt sie beim Blick auf den Fisch mit einem verklärten Lächeln. „Die Seemänner haben in mir das Fernweh geweckt. Durch sie bin ich zur Fliegerei gekommen.“ Dass Seeleute das Fliegen lernen, klingt auf Anhieb zwar paradox. Doch im Fall von Karin Emdakim stimmt es. „Ich hatte in Elsfleth viele Freunde, die Seefahrer waren und die an der Seefahrtschule studierten“, erinnert sie sich. Elsfleth wird ihr zu eng. Sie ging nach Paris und leistete in Dschibuti in Afrika Entwicklungshilfe. Dann bewarb sie sich bei der Lufthansa.


„Stewardess war ein absoluter Traumberuf. Es gab so viele Bewerber. Aber ich habe es versucht. Ich wollte die Welt kennenlernen.“ Es klappt. 1980 fängt sie bei der Lufthansa an. Der Deutsche Herbst ist gerade zu Ende. Drei Jahre zuvor entführten palästinensische Terroristen die Lufthansa-Maschine „Landshut“, Flug LH 181. Das Schicksal der Stewardess Gaby Dillmann ging um die Welt. Pilot Jürgen Schumann wurde an Bord erschossen. „Das hat mich nicht davon abgehalten, Stewardess zu werden.“ Der Terror ist auch heute noch das bestimmende Thema in der Luftfahrt. „Wir gucken uns jeden Fluggast genau an.“ Trotz allem: „Bis heute ist es mein Traumberuf“, sagt Karin Emdakim, die Mutter von zwei Kindern ist. Bald geht es wieder los. Nach Tokio. Oder San Francisco. Und nach Elsfleth.

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