Landkreis - Zur Zeit fallen zwei Termine zusammen, die in ihrer Kombination für das heimische Wild hohes Konfliktpotenzial in sich bergen. Im Moment gleicht die Natur einer einzigen Kinderstube – viele heimische Wildtiere haben jetzt Nachwuchs. Gleichzeitig herrscht zur Erntezeit seitens der Landwirte reges Treiben auf den Feldern. Und so werden auch diesmal wieder viele Wildtiere den Mäh- und Erntemaschinen zum Opfer fallen.
Höchste Zeit für Landwirte und Jäger, Erntetermine und Wildrettungsaktionen abzustimmen. Darauf weist die Jägerschaft Cloppenburg hin. „Vielerorts arbeiten Jäger und Landwirte in Sachen Wildtierrettung bereits erfolgreich zusammen – dieser angewandte Naturschutz rettet jedes Jahr sehr vielen Tieren das Leben“, sagen Bernhard Kurmann, Vorsitzender der Jägerschaft Cloppenburg, und Kreisjägermeister Herbert Pitann.
Ob Junghase, Rehkitz oder Wiesenbrüternachwuchs (Feldlerche, Fasan, Brachvogel, Wachtel, Kiebitz, Bekassine), das Kernproblem ist die instinkthafte Reaktion der Tiere, sich bei Gefahr an den Boden zu drücken und sich auf die Tarnung zu verlassen, teilen die Jäger mit. Dieses Verhalten ende aber leider allzu häufig fatal.
Um möglichst viele Wildtiere vor dem Mähtod zu bewahren, werden die Jäger mit einer Reihe von Präventionsmaßnahmen aktiv. Am Vortag des Erntetermins werden die Wiesen abgesucht und Mülltüten, Radios oder flackernde Blinklichter auf den Wiesen hinterlassen und zu weiteren Vergrämungsmaßnahmen gegriffen. Diese Vergrämungsmaßnahmen sollen bewirken, dass die Elterntiere ihre Jungen aus den Wiesen führen. Dafür müssen die Jäger die Termine aber kennen.
Ein gutes Beispiel, wie es gehen kann, kommt aus Ramsloh: Im Revier Hollen 2 teilte Landwirt Jens Nagel aus dem Moorgutsweg vor wenigen Tagen den Jägern seinen Mähtermin mit. Dank der guten Verständigung zwischen dem Landwirt und den örtlichen Jägern konnte ein kleines Rehkitz aufgefunden und wirkungsvoll vor dem sicheren Mähtod gerettet werden. „Ein gutes Verhältnis zwischen Jägern und Landwirten bietet daher die beste und erfolgversprechendste Schutzmaßnahme vor dem Mähtod“, sagt Brigitta Schulte, Obfrau für Naturschutz und Öffentlichkeitsarbeit im Hegering Ramsloh.
Die Landwirte können aber auch noch einen anderen Beitrag leisten. Angesichts der hochtechnisierten Mähverfahren, mit Mähbreiten von zehn Metern und mehr und einer Mähgeschwindigkeit von bis zu 20 Kilometer pro Stunde ist das Mähverfahren von großer Bedeutung: „Von innen nach außen mähen bedeutet keinen zeitlichen Mehraufwand, bieten den Tieren aber Fluchtmöglichkeiten, so dass sie sich noch rechtzeitig aus der Gefahrenzone retten können“, so die Experten.
Spaziergänger, die Jungtiere entdecken, sollen diese keinesfalls streicheln oder anfassen – auch wenn der Nachwuchs scheinbar verlassen wirkt. Die Jägerschaft Cloppenburg bittet alle Naturfreunde und Erholungssuchende um erhöhte Rücksichtnahme beim Spaziergang in der freien Natur.
Auch gilt noch bis zum 15. Juli – der Brut- und Setzzeit – die Anleinpflicht für Hunde in der freien Landschaft. „Auf den ausgewiesenen Wegen bleiben und unbedingt den Hund angeleint führen“, fasst die Kreisjägerschaft Cloppenburg die wichtigsten Verhaltensregeln für den Spaziergang in der freien Natur zusammen.
