Lorup - Auf ein Entgegenkommen der „roten Seite“ der Schlachtunternehmen hoffte die „grüne Seite“ der Landwirte vergeblich. Der Schlachtschweinepreis geht in den Keller: am Mittwoch wurde mit 1,60 Euro je Kilo – im März noch 2,02 Euro – der niedrigste Preis seit 15 Monaten notiert. Er liegt am Rand zur Unwirtschaftlichkeit.

Die Schlachtbranche setzte sich beim Preisduell, endverhandelt in den Räumen der Landwirtschaftskammer Oldenburg, ausgerechnet zur beginnenden Grillsaison durch. Ihr Argument ist einfach gestrickt: Die Nachfrage nach Fleisch geht drastisch zurück.

Immer mehr schlachtreife Schweine stauen sich bei vielen der noch rund 19 000 Mäster. Die Produktion kann nicht einfach angehalten werden. „Das würde ein Dreivierteljahr dauern“, meint ein Mäster. Jetzt rücken zudem bestellte Ferkel nach.

Tönnies kann seit einer Woche jeden Tag rund 25 000 Schweine nicht schlachten, weil der Betrieb in Rheda wegen der Corona-Infektion dichtgemacht wurde. Andere Schlachthöfe (Sögel/Emsland und Weißenfels) konnten die Mengen – anders als erhofft – nicht übernehmen. Die Not wird größer. Bernd Terhalle, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft Hümmling, hat nachgerechnet: „Mittlerweile sind 400 000 Schweine in NRW und Niedersachsen nicht geschlachtet worden.“

Weil Schlachtplätze fehlen, müssen die Schweine länger gefüttert werden. Das kostet Geld – einen Euro am Tag pro Tier. „Die Bauern haben die Corona-Krise nicht verschuldet“, meint Terhalle. „Und ausgerechnet einige Schlachter als Auslöser des Debakels profitieren jetzt von geringeren Schweinepreisen.“


Der Vorsitzende der Schweinehalter-Interessengemeinschaft ISN (Damme), Heinrich Dierkes, forderte einen Zeitplan für die Wiederaufnahme des Betriebs in Rheda-Wiedenbrück. Es sei für die Landwirte „unhaltbar“, dass sie nicht einmal ansatzweise wüssten, wie es weitergehe.