Birkenheide - Der stetige Rückgang beim Torfabbau stellt Deutschlands Gärtnereien offenbar vor erhebliche Probleme. „Es gibt nicht genügend Alternativen“, mahnte Cord Drücker, Betriebsleiter der Gärtnerei Melle, am Freitag bei einem Besuch der FDP Ganderkesee. Für ihn ist fraglich, ob der Einsatz manch eines Ersatzstoffes ökologisch sinnvoll ist. Das Unternehmen an der Birkenheider Straße 101 hat Versuche mit Kokosfaser und Baumschredder begonnen.

„In den nächsten zehn Jahren fallen in Deutschland 50 Prozent der Torfabbaurechte weg“, sagte Drücker zu seinen Gästen, unter denen auch der Landtagsabgeordnete Christian Dürr war. Als Alternativen seien neben Kokosprodukten auch Pinienrinde oder Grünkompost, Holzfaser oder Reisspelzen denkbar. Allerdings müsse man wissen, dass zum Beispiel die Kokosfaser „um den halben Globus“ aus Indien importiert werde und dort vorm Export mit Trinkwasser gewaschen werde.

Bei Christian Dürr stießen diese Bedenken auf offene Ohren. In Sachen Torfabbau sei Naturschutz mit Augenmaß gefragt – zumal dann, wenn der Einsatz von Ersatzstoffen aus dem Ausland ökologisch höchst fragwürdig sei. Da würden Probleme in andere Länder verlagert. Dürr wies darauf hin, dass Torfabbau heute nicht etwa in Naturschutzgebieten stattfinde, sondern in landwirtschaftlich genutzten Flächen. Im Falle auslaufender Abbaurechte sollten Flächen vermehrt an die Landwirtschaft zurückgegeben werden.

Zuvor hatten Drücker und Inhaberin Carolin Melle die Geschichte der 1946 von Georg und Grete Melle gegründeten Gärtnerei beleuchtet. In der Anfangszeit habe Gemüseanbau eine große Rolle gespielt. Günter Melle, Sohn der Gründer (Drücker: „Er hat Gärtner gelebt“), habe sich mehr und mehr auf Sommerblumen konzentriert, sich später auch verstärkt den Heidepflanzen gewidmet.

Als bei der Heidepflanze Calluna neue Züchtungen mit intensiven Farben und einer vergleichsweise beständigen Frische auf den Markt kamen, habe der Betrieb begonnen, sich hier Lizenzen zu sichern. „Dieser Zug hat unheimlich Fahrt aufgenommen“, berichtete Drücker. Nach dem Umzug des Unternehmens von der Grüppenbührener Straße nach Birkenheide würden heute auf etwa 17 Hektar Heidepflanzen kultiviert, pro Saison etwa zwei Millionen Stück. Die Pflanzen würden deutschlandweit vertrieben.


Das Unternehmen setze auf Qualität, ein Großteil der Arbeiten werde per Hand erledigt. Daran habe sich auch nach dem Tod von Günter Melle im Mai 2011 nichts geändert. Heute habe der Betrieb 15 Mitarbeiter. Etwa 80 Prozent des Umsatzes entfallen auf Heide-, 20 Prozent auf Sommerpflanzen.

Bei dem Rundgang wurde auch ein „fliegendes Problem“ angesprochen: Auf der Suche nach Maden würden Krähen Pflanzentöpfe umwerfen – Tausende pro Tag.