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Leben Am Kanal Torfkoks war in Industrie sehr gefragt

Elisabethfehn - Die Liste seiner früheren Kunden liest sich wie eine Aufzählung großer deutscher Konzerne. Bayer, Degussa oder die Ruhrkohle AG zählten einst zu den Abnehmern. Sie kauften in großen Mengen in Elisabethfehn ein. Dort fanden sie das, was sie zur Herstellung von Aktivkohlefiltern benötigten: Torfkoks. Der kam über viele Jahrzehnte aus der Fabrik am Elisabethfehnkanal, die bis zum Ende der Produktion im Jahre 1989 von dem Kaufmann Alfons Meyer geführt wurde.

Edelmetalle schmelzen

In der Industrie war der Torfkoks aus Elisabethfehn sehr gefragt. Er wurde dort hergestellt, wo der Torf in unmittelbarer Nachbarschaft in großen Mengen industriell abgebaut wurde. Die großen Abnehmer benötigten das Produkt für verschiedene Zwecke. Einerseits konnten mit seiner Hilfe Edelmetalle leichter eingeschmolzen werden. Auf der anderen Seite diente er der Industrie als Basis für die Herstellung der Aktivkohle.

Alfons Meyer hatte die Fabrik in Elisabethfehn im Jahre 1975 von der „Torfverkokung Dr. Wieland“ gekauft. Mit der Firma „Indu-Carbon“ stieg er damals in die Herstellung von Torfkoks ein. 1985 wurde die Arbeit jäh gestoppt. Ein Feuer zerstörte große Teile der Fabrikanlagen am Kanal. Alfons Meyer erinnert sich: „Mit Unterstützung der Versicherung und der Banken haben wir die Kokerei wieder aufgebaut. Schließlich ging es ja auch um 30 bis 40 Arbeitsplätze.“

Aber Meyer wollte mehr. Wenige Monate nach dem Brand nahm er die Produktion von Torfkoks wieder auf. Zwar fehlte noch die Produktions-Genehmigung des zuständigen Gewerbeaufsichtsamtes. Doch Meyer machte sich unerschrocken an die Arbeit. Zwei Jahre später trudelte die Genehmigung der Gewerbeaufsicht ein. Die war allerdings mit sehr hohen Auflagen verbunden, blickt Meyer zurück.

Die Auflagen waren so hoch, dass Alfons Meyer sie nicht erfüllen konnte. Die Folge war das Ende der Produktion und die Schließung der Torfkoksfabrik. Die 35 Mitarbeiter verloren ihre Arbeitsplätze. Meyer: „Die Gewerbeaufsicht hat die Fabrik geschlossen.“ Die Firma des Kaufmanns wurde anschließend abgewickelt. Für den direkt vor der Haustür der Fabrik befindlichen Elisabethfehnkanal war das die Rettung, denn die Fabrik-Abwässer blieben nun aus. Sie hatten das Gewässer zuvor stark verschmutzt.

Aktivkohle herstellen

Nun steht an der Oldenburger Straße in Elisabethfehn eine Fabrik mit vielen großen alten Geräten und Maschinen. Sie wird in großen Teilen nicht genutzt. Das Fabrikgebäude und das Haus der früheren Verwaltung stehen unter Denkmalschutz. Der neue Eigentümer ist Ludger Lange aus Barßel. Der Unternehmer hat damit begonnen, das alte Verwaltungsgebäude nach den Auflagen der Denkmalschutzbehörde zu sanieren. Die Rückseite des Putzbaus ist bereits mit einem neuen Farbanstrich versehen worden. Ludger Lange: „Es lohnt sich. So wird das ganze Gebäude später aussehen.“

Nur in einigen Teilbereichen der alten Industrieanlage arbeitet derzeit Langes örtliches Lackier- und Sandstrahlunternehmen. An diese Firma hat Meyer vor einigen Jahren die alte Fabrik mit Nebengebäuden und Hallen verkauft. Darunter befindet sich ein Gebäude, in dem Meyer in den 1980er Jahren selber in die Herstellung von Aktivkohle einsteigen wollte. Alfons Meyer: „Doch dazu ist es dann leider nicht mehr gekommen, weil die Gewerbeaufsicht unsere Produktion geschlossen hat.“

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