TOSSENS - Die Marke Nordsee braucht mehr Profil: Wer im touristischen Wettbewerb bestehen will, muss sich stärker von anderen abheben, auf Alleinstellungsmerkmale setzen, mehr Urlaubsfeeling bieten und dabei preisgünstig sein. Das sind die Kernaussagen von vier Kommunikations- und Marketing-Experten beim „Nordsee-Tourismustag 2008“ am Mittwoch in Tossens (siehe auch Regionales).
Diese vom „Tourismusverband Nordsee“ und der Marketinggesellschaft „Die Nordsee“ im Tossenser Ferienpark von Center Parcs veranstaltete Tagung war zugleich eine kleine Geburtstagsfeier: Verband und GmbH sind zehn Jahre alt geworden.
„Wir arbeiten auf einer Position der Stärke“, sagte der Verbandsvorsitzende, Frieslands Landrat Sven Ambrosy. Er verwies auf den in diesem Jahr vorgelegten „Masterplan Region niedersächsische Nordsee“. Mit diesem Zukunftskonzept sei ein ordentlicher Wurf gelandet worden.
Ambrosy untermauerte die Forderung nach mehr Fördergelder für touristische Investitionen und Verbesserungen des Angebots. „Wir sind mit 320 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der größte Arbeitgeber in Niedersachsen, sollen aber nur 70 Millionen Euro Fördergelder – verteilt auf sieben Jahre – bekommen.“ Ziel müsse sein, regionale Identität und Unverwechselbarkeit zu stärken. „Wir müssen das Thema Nordsee durchdeklinieren.“
Mit der Sommerferienregelung bis 2016 ergeben sich laut Ambrosy Überschneidungen der Ferien von Niedersachsen und dem Bundesland mit den meisten Nordsee-Urlaubern außerhalb Niedersachsens: Nordrhein-Westfalen. „Das ist ein ganz schlimmer Schaden für uns.“
Der Geschäftsführer der Nordsee-GmbH, Oliver Melchert, sagte: Butjadingens Tourismus-Geschäftsführer Johannes Cassens habe die Idee gehabt, diesen Tourismustag in Tossens zu veranstalten. Center Parcs habe dies mit einem günstigen Angebot möglich gemacht.
In seinem Referat über Kundenbedürfnisse im Wandel sagte Professor Karl Born (Hochschule Harz in Wernigerode). „Das ist hässlich für Anbieter: Der Gast will mehr Qualität für weniger Geld.“ Zu den starken Trends zählt Born: Gesundheit im Sinne von Wohlfühlen, kulinarischer Tourismus, Regionaltypisches als Gegenpol zur Globalisierung und auch der Wunsch mach mehr Erlebnis im Urlaub.
Die Zuwendung zum Gast und das Urlaubsfeeling werden seiner Einschätzung nach ganz wichtig. Nicht das Produkt müsse im Vordergrund stehen, sondern der Kunde. Das Produkt sei nur das Vehikel, den Kunden glücklich zu machen. Dabei müssten Anbieter ganz klares Profil zeigen. „Letztendlich geht es darum, sich von anderen abzuheben und dabei besser zu sein als andere.“
Ähnlich Kommunikations- und Marketingexperte Frank Grafenstein aus Berlin: Der Reisende von morgen wolle die Eigenart des Reiseziels erfahren, wolle eine Mischung aus Tradition und Moderne und selbst etwas entdecken.
Auf die Marke setzt Diplom-Kommunikationswirt Hubertus Maske aus Hamburg. Marken schaffen, so sagte der Experte in Tossens, Orientierung, Anziehungskraft, Bindung und Präferenz. Gerade die Marke „Nordsee“ binde stark.
Eine gute Marke sei „wie ein Sparkonto, auf das man einzahlt und irgendwann kann man davon leben – aber das dauert.“ Einzigartigkeit und Alleinstellungsmerkmale müssten durch Innovationen immer wieder neu belebt werden.
PR-Experte Rüdiger Kubald aus Hamburg erläuterte die Bedeutung von Public Relations: „Ohne gute Bodenbearbeitung durch PR wird die Saat der Werbung nicht aufgehen.“ Er betonte: „Die Unverwechselbarkeit der Region und des Angebotes ist auch in der PR der entscheidende Wettbewerbsvorteil.“
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