TOSSENS - 600 000 Euro werden investiert. Die Anlage ist offen für jedermann.
Von Horst Lohe
Mit mehr als 20 Prozent Qualitätssteigerung, mit der Auslastung des 1900-Betten-Ferienparks von 80 Prozent im Jahresschnitt und mit 200 Mitarbeitern hat der europäische Kurzurlaub-Anbieter Center Pacs im Nordseebad Tossens 2006 den großen Sprung geschafft (die NWZ berichtete). Jetzt wird die zuvor erreichte gestalterische Aufwertung des gesamten Ferienparks abgerundet: Für 600 000 Euro schafft Center Parcs vor dem Zentralbereich eine mehr als 4200 Quadratmeter große Grünanlage. Für Ende Mai ist die Bauabnahme vorgesehen. Mitte Juni soll eingeweiht werden.
Der Tossenser Direktor Christoph Muth spricht von einer Einladung zum Flanieren. Die Anlage werde für alle Besucher zugänglich bleiben und keineswegs nur für Gäste von Center Parcs.
In der großen Mitte wird der Gast eintauchen können in ein Gräser-Meer. Wie Landschaftsarchitekt Wolfgang Schramm aus Bremen gestern erläuterte, sollen sechs unterschiedlich hoch wachsende Gräsersorten plus Bambus das Bild eines sich im Wind wiegenden Meeres oder eines Teppichs vermitteln. 4500 einzelne Gräserballen werden eingepflanzt.
Wandeln kann der Gast über dieses Gräsermeer mittels eines Felsenpfades. Dieses sich durch das grüne Meer schlängelnde Felsenband besteht aus insgesamt 200 Tonnen Feldsandsteinen aus dem westfälischen Ibbenbüren.
In einer U-Form führen von der Strandallee geschwungene Wege als Promenade zum zentralen Gastronomiebereich. Sie werden alleeartig gesäumt von mehrstämmigen Eschen und mit einem weißen Blütenband versehen. Weitere Abschirmung zum Parkplatz und zu den Gebäuden sollen als dritte Komponente der Grünanlage immergrüne Pflanzen bringen (unter anderem Kirschlorbeer, Eiben, Hemelock-Tanne), so dass der Besucher besser eintauchen kann in das Felsenband mit Gräser-Meer.
Hainbuchenhecken fassen die beiden Fahrradstellplätze ein. Fahrradhalter sind an Holzbohlen geschraubt, um auch hier den Bezug zur Natur zu betonen.
Als Aufenthaltsort im Freien vor dem Hoteleingang entsteht ein Lounge-Garten mit Hainbuchenhecke, Bäumen und Strandkörben.
18 Meter Durchmesser misst die kleine Piazza, die vor dem Gastronomiebereich angelegt wird. Eine Holzbühne für Veranstaltungen im Freien kommt hinzu.
Ein Spielturm aus Eichenholz fehlt nicht.
Auch zwei (teure) Notausgänge für den Park-Zentralbereich werden gebaut.
Vom früher geplanten so genannten zentralen Platz mit einem Teich ist Center Parcs abgerückt – aus Gründen der Gestaltung, aber auch aus Kostengründen.
Wie berichtet, sollte die Gemeinde den Platz bauen. 1,06 Millionen Euro waren vorgesehen. Doch Kürzung von Landeszuschüssen und Probleme, die Finanzierung korrekt zu regeln, führten zum Ausstieg der Gemeinde. Center Parcs sprang als Bauherr ein und bezahlt nun alleine.
Landschaftsarchitekt Schramm hat die Pläne zusammen mit dem Chefplaner von Center Parcs, Jean Henkens, entwickelt nach den für alle Parks in Europa ähnlich geltenden Anforderungen.
Parkdirektor Christoph Muth sieht in der Tossenser Anlage auch eine optische Aufbesserung für die Strandallee. „Hoffentlich schließen sich andere Eigentümer an der Strandallee an, damit einige Schandflecke verschönert werden.“
Gemeinde bleibt in Tossens gefordert
Mit der einladenden Grünanlage hat, so Ferienpark-Direktor Christoph Muth, „Center Parcs alle seine Versprechungen gehalten, ohne Wenn und Aber – sogar mit dem Zusatz, dies alleine zu finanzieren.“
Offenbar gilt Gleiches (noch) nicht für die Gemeinde Butjadingen. Denn Muth fügt hinzu: „Damit verbindet Center Parcs auch Erwartungen an die Region, entsprechend ihren Vereinbarungen nachzukommen.“ Der Direktor spielt damit an auf die im Jahre 2004 getroffenen vertraglichen Vereinbarungen, wonach die Gemeinde für ansprechenden verkehrsberuhigten Ausbau der Strandallee und nachhaltige Aufwertung des Strandbades zu sorgen hat. Wie berichtet, war der Ausbau zwar Weihnachten 2005 fertiggestellt worden. Beleuchtung und Bepflanzung folgten aber erst im Frühjahr 2006 und fielen weniger attraktiv aus.
Auch beim Strandbad gab’s Verzögerungen und Abstriche. Eingeweiht werden soll der neue “Friesenstrand“ nunmehr am 7. Juli. Center Parcs sieht aber offenbar auch hier noch Nachbesserungsbedarf.
Mit 400 000 Übernachtungen 2006 stellte Center Parcs etwa 43 Prozent aller Übernachtungen in der Seebäder-Gemeinde. Entsprechend stark hat die gemeindeeigene Touristikgesellschaft von Kurbeitragseinnahmen profitiert. Folglich müsste die Gemeinde ein großes Eigeninteresse an einer weiteren Aufwärtsentwicklung haben. Wie die NWZ berichtete, peilt Center Parcs zu seinen bisher 1900 Betten weitere 320 an. Aber vieles deutet darauf hin, dass sich Center Parcs mit der Realisierung der Erweiterungspläne zurückhält, solange die Gemeinde zögert, mitzuziehen an der notwendigen weiteren Aufwertung des Seebades Tossens.
