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Großensieler Hafen Tote Hose in der „superschönen Ecke“

Jens Milde

Nordenham - Für Günter Mehrtens, den Vorsitzenden des Heimatvereins Club Weserstrand, ist die Entwicklung im Großensieler Hafen ein „Trauerspiel“. Das Haus Weserstrand hat dort schon vor längerer Zeit die Türen geschlossen, das Café Sander hat zu Beginn dieses Jahres den Betrieb eingestellt, die Firma Nordenhamer Transportbeton (NTB) ist nach Friedrich-August-Hütte umgezogen und hat seine Betriebsanlagen in Großensiel inzwischen so gut wie vollständig abgerissen. Übrig geblieben ist lediglich die Firma Tagu. Ansonsten herrscht tote Hose im Hafen. Und die Frage, wie es dort weitergehen könnte stellt sich nicht nur für Günter Mehrtens.

Der Großensieler Hafen wird vom Landesbetrieb Niedersachsen Ports betrieben. Wie die Pressesprecherin Carola Schmitz auf Nachfrage mitteilt, gibt es Gespräche und Überlegungen zur Hafennutzung auf verschieden Ebenen. „Da sie noch nicht entscheidungsreif sind, können wir Weiteres derzeit nicht berichten.“

Viele Nordenhamer sind sich darin einig, dass der Sielhafen im Stadtsüden großes Potenzial bietet. Der Vizeverwaltungschef Carsten Seyfarth macht aber kein Geheimnis daraus, dass das Thema auf der Prioritätenliste der Stadt zurzeit nicht an erster Stelle steht, weil es viele andere Baustellen zu beackern gibt.

Perspektiven für Hafen

Diskussionen über die langfristigen Perspektiven des Geländes kommen seit vielen Jahren immer wieder auf. In der jüngsten Sitzung des Finanzausschusses hatte die FDP beantragt, 10 000 Euro für ein Gutachten bereitzustellen, um die Chancen des Sielhafens auszuloten. Die Mehrheit sprach sich allerdings dafür aus, sich noch nicht damit zu beschäftigen und erst einmal abzuwarten, wie sich N-Ports die Zukunft des Areals vorstellt. Nach den Worten von Carsten Seyfarth verbietet es sich derzeit, allzu offensiv über das Thema nachzudenken, solange noch ein gewerblicher Nutzer im Hafen ansässig ist.

Wenn es um Stadtentwicklung geht, ist das Gelände aber langfristig durchaus reizvoll, sagt Carsten Seyfarth. Und das sieht auch Günter Mehrtens so. Er kann sich den Großensieler Hafen als „maritime Meile“ vorstellen. Damit meint er ein Ensemble aus kleinen Bistros und Geschäften. Ein Laden für Segelzubehör würde sich aus Sicht des Heimatvereinsvorsitzenden anbieten, zumal sich der Sportboothafen in unmittelbarer Nähe befindet.


Keine Nachfolger in Sicht

Das Problem besteht darin, Investoren zu finden. Allein die Suche nach Nachfolgern für die Gaststätten im Hafen gestaltet sich schwierig. Wilfried Schwarting, der bis Ende des Jahres das Café Sander betrieben hatte, möchte das Restaurant gerne verkaufen. „Da hat sich bisher aber noch nichts getan“, teilte er am Freitag auf Nachfrage mit.

Auch aus Sicht von Ilona Tetzlaff, der Geschäftsführerin von Nordenham Marketing & Touristik, bietet der Großensieler Hafen viel Potenzial für Freizeit- und Tourismusangebote. „Die Teilnehmer an den Oldtimer-Tagen schätzen das maritime Ambiente. Das bekommen wir immer wieder zu hören.“ In diesem Jahr müssen die Oldtimer-Freunde allerdings auf dieses Ambiente verzichten. Weil die gastronomische Infrastruktur weggebrochen ist, ziehen die Oldtimer-Tage auf den Marktplatz.

Dass der Großensieler Hafen eine „superschöne Ecke“ ist, steht für Ilona Tetzlaff dennoch außer Frage. Sie könne sich dort Wohnmobil-Stellplätze oder eine Veranstaltung „Jazz im Hafen“ vorstellen. „Das geht aber nur mit einem potenten Partner“, sagt die NMT-Geschäftsführerin. Deshalb hofft sie, dass möglichst schnell Nachfolger für die Gastronomie-Betriebe gefunden werden.

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