Elsfleth - Heidi Grabhorn ist erschüttert und kann es nicht fassen: Bis heute sind keine Gewebeproben eines auf dem Elsflether Sand gerissenen Kalbs (die NWZ berichtete) bei der zuständigen Behörde in Hannover eingegangen. Sie habe am Freitag mit dem Sachbearbeiter des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) gesprochen und ihm nun Fotos gemailt. Diese hätten ihm nicht vorgelegen. Das sei doch skandalös, betont sie gegenüber der NWZ .
Jürgen und Heidi Grabhorn betreiben seit 1993 eine extensive Landwirtschaft auf dem Elsflether Sand. Ende April hatte Jürgen Grabhorn ein drei Monate altes Kalb der Rasse Charolais tot auf einer Weide gefunden. Die Bissverletzungen am Kopf des jungen Tieres ließen für ihn nur einen Schluss zu: Ein streunender Hund oder gar ein Wolf mussten es gerissen haben. Und das wollte Familie Grabhorn untersucht wissen.
Die Wochen zogen ins Land, doch nichts tat sich. Daraufhin wurde Heidi Grabhorn selbst aktiv und fragte nach. Zu ihrer großen Überraschung stellte sich heraus, dass zwar eine Registriernummer des Vorfalls, aber keine Probe vorlag. Um festzustellen, ob tatsächlich ein Wolf ein Tier gerissen hat, sind die DNA-Spuren wichtig, die vor Ort genommen werden. Anhand des „genetischen Fingerabdrucks“ ist der Verursacher zu ermittel. Aber auch anhand von hochauflösenden Fotos kann ein Experte feststellen, ob ein Wolf in Frage kommen würde. Und das geschieht nun in Hannover. Der Befund steht jetzt aus.
Verärgert ist Familie Grabhorn darüber, dass der Wolfsberater Jürgen Ahlers, der seinerzeit die Probe genommen hat, nicht zu erreichen ist. Auch sei er überhaupt nicht ausgebildet, so Heidi Grabhorn.
Diese Aussage bestätigt der ausgebildete Wolfsberater Franz-Otto Müller. Jürgen Ahlers sei von der Kreisjägerschaft vorgeschlagen und 2013 vom niedersächsischen Umweltministerium benannt worden. Als Jürgen Ahlers auf den Elsflether Sand gerufen worden war, habe er vorgeschlagen, auch ihn, Franz-Otto Müller, als Experten hinzuzuziehen. Darauf sei dann aber verzichtet worden.
Franz-Otto Müller spricht in diesem Fall von einer „äußerst unglücklichen Konstellation“. So sei das Kalb von der Weide entfernt, alle möglichen Leute hinzugerufen und die Spurenlage verändert worden. Franz-Otto Müller hat dann später von dem vermeindichen Wolfsriss erfahren und Jürgen Ahlers angerufen. „Ich habe ihn dann darüber informiert, welche Dinge für eine komplette Dokumentation erforderlich sind“, sagt Franz-Otto Müller. „Es hätte besser, schneller und intensiver laufen können“, so der Wolfsberater. Die Ergebnisse der Untersuchung hätten schon längst vorgelegen.
