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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Auch Werke in der Region sind betroffen

15.02.2019

Toulouse Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus stellt die Produktion des weltgrößten Passagierjets A380 ein. Die letzte Auslieferung des Luftgiganten sei für 2021 geplant, teilte Airbus am Donnerstag in Toulouse mit. Die größte Kundin des A380, die arabische Fluggesellschaft Emirates, habe ihre Bestellung um 39 Maschinen reduziert – auch bei anderen Airlines sei der Auftragsbestand mangelhaft. Daher gebe es nun keine Grundlage mehr für eine Fortsetzung der Produktion.

Der doppelstöckige Passagierjet hat Airbus schon länger große Sorgen bereitet. In den vergangenen Jahren hatte kaum noch eine Fluglinie ein Modell geordert. Airbus drohten, die Bestellungen auszugehen. Der Konzern fuhr die Jahresproduktion zuletzt von zeitweise bis zu 30 Maschinen auf nur noch sechs Exemplare zurück.

Emirates habe nun beschlossen, die A380-Bestellungen von 162 auf 123 Maschinen zu reduzieren. Dabei würden in den kommenden zwei Jahren noch 14 verbleibende Passagierjets in Empfang genommen. Als Konsequenz werde Airbus seine Auslieferungen 2021 einstellen, teilte das Unternehmen mit.

Aus für A380 – Geringe Auswirkungen für Standorte in der Region

Das Aus für den A380 hat für Bremen als zweitgrößten deutschen Airbus-Standort relativ geringe Auswirkungen. „Betroffen sind in der Produktion und der Entwicklung schätzungsweise bis zu 80 Kolleginnen und Kollegen“, sagte Betriebsratschef Jens Brüggemann. Dies sei ein „überschaubarer Rahmen“. „Wir sehen keinen Grund, dass diese Mitarbeiter in Bremen nicht weiter mit Arbeit versorgt werden können.“ In dem Werk werden die 7,5 Meter langen und 3 Meter breiten Landeklappen des A380 gefertigt.

Am gesamten Airbus-Standort Bremen sind inklusive des Segments „Space and Defence“ (Raumfahrt und Verteidigung) rund 5000 Mitarbeiter beschäftigt. Die Bauraten, das heißt die Produktionsgeschwindigkeit für den A380, seien in den vergangenen Jahren deutlich zurückgefahren worden, gab Brüggemann zu bedenken. Die letzte Landeklappe dürfte in Bremen Ende 2020 gefertigt werden. Die Bauteile gehen nach Hamburg und Toulouse (Frankreich), wo das Flugzeug montiert wird. Die letzte Auslieferung des A380 ist für 2021 geplant.

Auch die rund 2000 Mitarbeiter des Airbus-Werks Stade wurden am Donnerstagmorgen von der Mitteilung überrascht. „Wir haben das aus dem Radio erfahren“, sagte ein Mitarbeiter. Auch dort werden Teile des A380 gefertigt. Der Betriebsrat mahnte am Donnerstag zunächst Klarheit und Zahlen von der Unternehmensleitung an.

Das Werk des Airbus-Zulieferers Premium Aerotec (PAG) in Varel ist vom Aus für den A 380 ebenfalls betroffen. Nach Angaben der Standortleitung sind die Konsequenzen aber überschaubar. In Friesland werden zahlreiche Zerspanteile für alle Airbus-Typen hergestellt – und damit auch für das Großraumflugzeug.

„Wird so ein Programm eingestellt, hat das auch für Varel Auswirkungen“, hieß es am Donnerstag auf Nachfrage der NWZ. Denn in der Produktion für den A 380 fallen dann Stunden für die dort beschäftigten Mitarbeiter weg. Personelle Konsequenzen, sprich eventuelle Entlassungen, werde es indes nicht geben. „Wir können die betroffenen Mitarbeiter für andere Programme einsetzen“, hieß es weiter.

Auch für die Flugzeugbauer bei Premium Aerotec in Nordenham kam das Aus nicht überraschend. Trotzdem sorgte die Nachricht, dass Airbus die Produktion des Riesenfliegers A 380 einstellt, am Donnerstag für gedrückte Stimmung in der Belegschaft. „Wir bedauern das sehr“, sagte Betriebsratsvorsitzender Michel Eilers gegenüber der NWZ, „die A 380 ist ein tolles Flugzeug“. Er war bis zuletzt von den Qualitäten des doppelstöckigen Großraumjets überzeugt und hatte gehofft, dass er sich doch noch auf dem Markt durchsetzen könnte.

Der Abschied von der A 380 hat auf die Beschäftigungslage am Nordenhamer Standort der Premium Aerotec GmbH (PAG) kaum Auswirkungen. Die Rumpfschalenfertigung für das größte Passagierflugzeug der Welt ist dort schon seit Jahren gedrosselt worden. Der Anteil der A-380-Reihe an der Gesamtproduktion in Nordenham beläuft sich inzwischen nur noch auf beschiedene drei Prozent. Mittlerweile sind nur noch 67 der rund 3000 Mitarbeiter in den Nordenhamer PAG-Werk mit dem Rumpfschalenbau für die A 380 beschäftigt. Um ihre Jobs müssen sie sich keine Sorgen machen: „Die betroffenen Mitarbeiter werden in andere Programmbereiche wechseln“, betonte PAG-Pressesprecherin Barbara Sagel am Donnerstag auf Anfrage der NWZ.

Zu groß und zu schwer – Flieger war nicht wirtschaftlich genug

Vielen Airlines ist der Flieger zu groß und verbraucht zu viel Treibstoff – das ist nicht wirtschaftlich, besonders wenn der Riesenjet nicht voll besetzt ist. Andere Flugzeuge des Boeing-Rivalen sind hingegen sehr beliebt. Die kleineren Maschinen der A320-Familie sind ein Kassenschlager.

„Es ist schade um den schönen Flieger. Aber die Entscheidung des Vorstandes ist nachvollziehbar, da sich die A380 nicht verkauft“, erklärte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste in einer Mitteilung. Durch den Hochlauf in anderen Programmen habe Airbus weiterhin gut zu tun. „Durch die A320, A330 und A350 haben die Beschäftigten an den norddeutschen Standorten reichlich Arbeit. Nun geht es darum, den Wechsel für die vom Aus der A380 betroffenen Beschäftigten zu regeln. Betriebsbedingte Kündigungen sind durch den Zukunftstarifvertrag bis Ende nächsten Jahres ausgeschlossen. Diese Regelung wollen wir ausbauen und die Beschäftigung langfristig sichern.“

Auch die australische Fluggesellschaft Qantas Airways hatte vor gut einem Monat die Bestellung von acht A380-Passagierjets zurückgezogen. Anfang Februar hatte zudem der Chef der Fluggesellschaft Qatar Airways, Akbar Al-Baker, dem A380 ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Nach Al-Bakers Auffassung ist der Flieger zu schwer, weil seine Tragflächen für die nie gebaute Langversion ausgelegt sind.

Trotz der hohen Belastungen durch die Einstellung des Riesenfliegers und Kosten für den Militärtransporter A400M im vergangenen Jahr konnte Airbus einen deutlichen Gewinnsprung erzielen. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 3,05 Milliarden Euro und damit 29 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Für 2019 nimmt sich das Management um Vorstandschef Tom Enders weitere Zuwächse vor. Der bereinigte operative Gewinn soll um etwa 15 Prozent steigen. Dazu will das Unternehmen 880 bis 890 Passagierjets ausliefern. Im vergangenen Jahr hatte Airbus 800 Maschinen an seine Kunden übergeben.

Sabrina Wendt Redakteurin / Wirtschaftsredaktion
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