Im Nordwesten - Die Tourismusbranche in Niedersachsen rechnet nach einer guten Sommersaison mit einem trüben Winter. Die Gemengelage aus hohen Kosten, fehlendem Personal und einer sinkenden Nachfrage dämpft die Erwartungen der Betriebe, wie die aktuelle Saisonumfrage der Industrie- und Handelskammer Niedersachsen (IHKN) zeigt. Demnach stellt sich jedes zweite Unternehmen auf eine schlechtere Geschäftslage ein. Fast ein Drittel der befragten Betriebe will wegen der hohen Energiekosten ihr Angebot einschränken.
Die Folgen: Höhere Preise, weniger Investitionen
Der Geschäftsklimaindex fiel seit dem Frühjahr von 96,5 auf 93 Punkte. Zum Vergleich: Vor der Corona-Pandemie hatte der Index rund 130 Punkte betragen. Als größtes Risiko sehen die befragten Unternehmen erneut die gestiegenen Kosten für Lebensmittel, Energie und Rohstoffe an (89,8 Prozent). In der Folge wollen mehr als 92 Prozent der Betriebe ihre Preise erhöhen, während sich 39 Prozent mit Investitionen zurückhalten.
Die Risikofaktoren
Aber auch die Arbeitskosten (69,9 Prozent) und fehlende Arbeitskräfte (65,8 Prozent) bereiten der Tourismusbranche in Niedersachsen Sorgen. Mehr als zwei Drittel der befragten Betriebe rechnen damit, dass sie Aufträge ablehnen oder ihr Angebot reduzieren müssen, weil ihnen das Personal fehlt. Das sind auch die Spätfolgen der Pandemie. So berichteten rund 40 Prozent der Betriebe davon, dass Arbeitskräfte in der Corona-Zeit in andere Branchen abgewandert seien.
Ein Lichtblick: Die Sommersaison war zufriedenstellend
Immerhin: Die Sommersaison bewertete mehr als die Hälfte der Betriebe als gut, weitere 37 Prozent als befriedigend. Auch wenn viele Urlauber wieder ausländische Reiseziele für sich entdeckt hätten, so ziehe das Tagungs- und Veranstaltungsgeschäft langsam wieder an, sagte IHKN-Tourismussprecherin Kerstin Kontny.
Offene Stellen im Oldenburger Land
Im Oldenburger Land bewerteten die befragten Betriebe die Geschäftslage im dritten Quartal noch überwiegend als gut. Die künftige Lage schätzen allerdings 40,6 Prozent als ungünstiger ein. Die Arbeitskosten (84 Prozent) liegen bei den genannten Risiken noch vor den höheren Kosten (82 Prozent) und damit über dem niedersächsischen Durchschnitt. Zudem berichteten 50 Prozent der Unternehmen, dass sie offene Stellen nicht besetzen können.
Trübere Aussichten in Ostfriesland
In Ostfriesland erwarteten sogar zwei Drittel der befragten Betriebe künftig eine schlechtere Geschäftslage, nur neun Prozent gehen von einer Verbesserung aus.
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