Abbehausen - „Ich dachte, die Hundert schaffen wir noch.“ Christine Renken sitzt nachdenklich am Küchentisch. Direkt nebenan ist das Geschäft, das ihr Großvater 1919 gegründet hat. „Sieben Jahre noch, dann hätten wir hundertjähriges Bestehen gefeiert.“ Doch dazu wird es nicht mehr kommen.
Ende Oktober wird das Textilhaus D. Renken an der Butjadinger Straße nach 93 Jahren geschlossen. Der Ausverkauf hat schon begonnen. „Sale“ und „Ausverkauf“ steht auf großen Pappschildern im Schaufenster. „Es tut richtig weh, aber dieser Schritt ist der richtige“, sagt die 39-Jährige im Gespräch mit der NWZ .
Der Grund für die Schließung des Abbehauser Traditionsunternehmens sind massive Umsatzeinbrüche in den vergangenen Jahren. „Es ist jetzt die dritte schlechte Saison in Folge“, so Christine Renken. Ihr ist mittlerweile klar, dass dies nicht bloß eine Phase ist, die vorübergeht. Vielmehr vollziehe sich seit einigen Jahren ein starker Wandel im Handel. Vor allem Textilgeschäfte hätten es schwer. „Die Industrie diktiert das Geschäft. Im Juli kam schon die Herbstware“, sagt sie. Hinzu komme der Internethandel. Viele Kunden kommen zum Gucken, nicht mehr zum Kaufen. Damen- und Kinderbekleidung aber auch Spielzeug werde zunehmend im Internet bestellt.
Im vergangenen Jahr sei das Sommer- und Wintergeschäft sehr schlecht gelaufen. „Wir sind auf unserer Ware sitzen geblieben“, sagt die Kauffrau, die 1990 ihre Ausbildung in dem elterlichen Betrieb machte und seit 22 Jahren in dem Geschäft arbeitet. 2005 übernahm sie es von ihrem Vater Dieter Renken. In diesem Jahr sei der Umsatz noch einmal massiv zurückgegangen. „Wir mussten die Notbremse ziehen“, so die zweifache Mutter.
Die Laufkundschaft geht seit Jahren kontinuierlich zurück. Mit der Postfiliale erfuhr das Textilgeschäft eine kurzzeitige Belebung, die schnell wieder abflaute. Vor einem Jahr machte dann der Schlachter auf der anderen Straßenseite dicht.
„Die Kunden fahren nur noch bis zur Mitte der Butjadinger Straße, wo es einen Supermarkt und einen Bäcker gibt“, sagt die Chefin. Ihre drei Mitarbeiterinnen haben die Nachricht von der Schließung mit Fassung aufgenommen. „Sie sehen ja selbst, dass nicht mehr viel los ist“, sagt Christine Renken. Ab Oktober arbeitet sie in einem Geschäft in Oldenburg als normale Angestellte. Ihre Mitarbeiterinnen hätten größtenteils schon etwas Neues. Zugegeben: Am Ende ist sie auch etwas erleichtert, dass es vorbei ist.
