Hannover/Oldenburg - Nach zähem Ringen haben sich die Diakonie und die Gewerkschaft Verdi erstmals gemeinsam auf höhere Gehälter für die rund 37 000 Beschäftigten in Niedersachsen geeinigt. Insgesamt stiegen die Gehälter um 5,4 Prozent, sagte Verdi-Verhandlungsführerin Annette Klausing am Mittwoch. Außerdem gebe es eine Einmalzahlung von 300 Euro, für die Auszubildenden 50 Euro. Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Jens Rannenberg, sprach von einem „tragfähigen Kompromiss“.

Die Gewerkschaft habe einige „Kröten schlucken“ müssen, räumte Klausing ein. So werden die Erhöhungen gestaffelt, und die Vertragslaufzeit bis September 2016 sei länger, als von der Gewerkschaft gefordert. Die Einkommen steigen rückwirkend zum Januar zunächst um 2,7 Prozent. Im Februar 2016 kommen weitere 2,7 Prozent hinzu. In der Altenpflege werden die Erhöhungen in vier Schritten gestaffelt. „Damit haben wir einen Abschluss, der mit dem des Öffentlichen Dienstes vergleichbar ist“, sagte Klausing.

Rannenberg begrüßte die Einigung. Doch stehe die Diakonie nun in der Altenhilfe unter einem starken Kostendruck. Die Schmerzgrenze in diesem Bereich sei eigentlich überschritten.

Erstmals müssen sich die Arbeitnehmer in der Diakonie an der betrieblichen Altersversorgung mit 0,4 Prozent beteiligen. Rannenberg unterstrich, dass es ohne die Selbstbeteiligung keinen Abschluss gegeben hätte. Die Versicherungen hätten bereits Beitragsteigerungen angekündigt, die von den Arbeitgeber allein nicht mehr gezahlt werden könnten.

Der Abschluss war am Dienstagabend nach langen und äußerst schwierigen Verhandlungen in der fünften Runde erreicht worden. Die Gespräche wurden von der Diakonie bundesweit mit Interesse verfolgt, da die diakonischen Arbeitgeber erstmals direkt mit einer Gewerkschaft verhandelten.


Beide Seiten hatten sich im vergangenen Jahr auf Tarifverhandlungen verständigt und einen Tarifvertrag geschlossen. Sie ließen damit das alte Verfahren der Tariffindung hinter sich, bei dem die Gehälter in einer kircheninternen Kommission ausgehandelt wurden. Die jetzigen Verhandlungen liefen erstmals auf dem neuen Weg.