Ganderkesee/Harpstedt - Seit mehr als zehn Jahren laufen die Planungen für die 380-kV-Leitung Ganderkesee-St. Hülfe – nun kommt das Ende des Verfahrens in Sicht: „Wir erwarten den Planfeststellungsbeschluss noch in diesem Jahr“, sagt Alexander Greß, Sprecher des Netzbetreibers und Antragstellers Tennet. „Und sobald er vorliegt, werden wir mit dem Bau beginnen“, ergänzt Inga Wilken, Referentin aus dem Bürgerbüro, das Tennet vor kurzem in Oldenburg eingerichtet hat. Beide erläuterten die Pläne am Mittwoch gegenüber der NWZ.
Vorerst haben aber Grundbesitzer und Betroffene Gelegenheit, sich zu den noch einmal leicht überarbeiteten Trassenverläufen zu äußern, die seit Anfang der Woche in den Rathäusern zwischen Ganderkesee und Diepholz ausliegen. Bis zum 13. Mai sind letzte Einwände und Stellungnahmen möglich.
Im Bereich der Gemeinde Ganderkesee haben sich zwei kleine Veränderungen ergeben: Der Leitungsbeginn, die sogenannte Einführung, beim Umspannwerk am Schlutterweg in Ganderkesee wird ein paar Meter nach Süden verlegt; außerdem soll auf dem Freileitungs-Abschnitt in Strudthafe einer von fünf Masten ein bisschen weiter östlich gebaut werden, um den Abstand zu einer Biogasanlage zu vergrößern.
Neben der beantragten Trasse hat Tennet auch eine Alternativstrecke zur Genehmigung eingereicht. Beide würden von der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr „gleichwertig geprüft“, erklärt Alexander Greß. Möglicherweise werde am Ende auch eine Mischung aus beiden Varianten genehmigt.
Während die Alternativ-Trasse sieben Erdkabel-Strecken vorsieht (darunter in der Samtgemeinde Harpstedt von Wohlde bis Reckum sowie zwischen Hölingen und Colnrade), enthält die 61 Kilometer lange Antrags-Trasse nur zwei Erdkabel-Abschnitte von 3,7 und 3,2 Kilometern Länge auf Ganderkeseer Gebiet. Dazwischen sind 1,45 Kilometer als Freileitung mit fünf etwa 60 Meter hohen Masten geplant.
Für die Übertragung des Stroms aus dem Erdkabel auf die Freileitung und umgekehrt entstehen zwei Übergangslagen an der B 213 in Landwehr und nördlich von Sethe. Eine weitere Kabelübergangsanlage wird an der Gemeindegrenze südlich von Riehe errichtet – ab hier verläuft die Antrags-Trasse als Freileitung bis St. Hülfe.
Die Trasse Ganderkesee-St. Hülfe, die spätestens Ende 2017 fertig sein soll, werde eine große Lücke im Übertragungsnetz, besonders zu den Ballungsräumen im Westen und Süden, schließen und für mehr Stabilität in der Stromversorgung sorgen, betont Alexander Greß. „Für uns ist es aber auch spannend, zu sehen, wie die Technik funktioniert.“ Von dem Pilotprojekt in Ganderkesee erhoffe sich Tennet wichtige Erkenntnisse für die Erdverkabelung auf Höchstspannungsebene.
