Hamburg/Oldenburg/Emden - Das Gastgewerbe in Norddeutschland spürt starke Nachfrage – hat aber auch immer größere Probleme dabei, Fachkräfte zu finden und längerfristig zu binden. Das sind Kernaussagen einer Umfrage zum Verlauf der Sommersaison 2016. Die IHK Nord, eine Vereinigung von Industrie- und Handelskammern einschließlich Oldenburger Land und Ostfriesland, hatte sie in den fünf norddeutschen Bundesländern durchgeführt.
Als ein Ergebnis wurde ermittelt: In Norddeutschland als „beliebter Reisedestination“ sei „in den letzten Jahren verstärkt in eine attraktive touristische Infrastruktur investiert“ worden. Dies war auch lange Zeit eine Forderung auch von externen Betrachtern gewesen.
Dabei freut sich das Gastgewerbe (Hotels/Gaststätten) über eine gestiegene Nachfrage. „Die Stimmungslage entwickelt sich positiv und erreicht einen sehr guten Konjunkturklimaindex von 134 Punkten“, heißt es in der Umfrage-Auswertung mit Blick auf die Skala von 0 bis 200 Punkte. Vor einem Jahr waren es 128 Punkte. 96 Prozent der Betriebe bezeichnen ihre Lage als gut oder befriedigend. Das Gastgewerbe profitiere vom anhaltenden Trend zum Urlaub im eigenen Land.
In der Reisewirtschaft (Vermittler/Veranstalter) schätzen 89 (Vorjahr: 93) Prozent die Lage als gut oder befriedigend ein. Der Geschäftsklimaindex sank im Jahresvergleich auf 120 Punkte (Vorjahr 127). Die zurückhaltende Bewertung sei „darin begründet, dass viele Deutsche aktuell lieber Urlaub im eigenen Land machen, anstatt die schönste Zeit des Jahres in derzeit von Krisen und Terrorismus gebeutelten klassischen Auslandsdestinationen zu verbringen“, so die Beurteilung von Fritz Horst Melsheimer, Vorsitzender der IHK Nord. Gegenüber dem Frühjahr (98 Punkte) habe das Geschäft mit den Urlaubsreisen wieder leicht an Fahrt aufgenommen.
Als größtes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung der eigenen Branche betrachtet das Gastgewerbe den zunehmenden Fachkräftemangel. Derzeit kann rund die Hälfte der Befragten offene Stellen längerfristig nicht besetzen. Die Betriebe gingen verschiedene Wege: „Von der Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf bis hin zur Einstellung von Fachkräften aus dem Ausland müssen die touristischen Betriebe heute kreativ und offen“ sein, hieß es. In bereits jedem fünften Unternehmen würden Menschen beschäftigt, die in den vergangenen fünf Jahren als Flüchtlinge gekommen seien. Weitere zehn Prozent wollten in den nächsten zwei Jahren Flüchtlinge einstellen.
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