Hude - Ein Beispiel für erfolgreiche berufliche Integration von Menschen mit Behinderung lässt sich in Hude beim WK-Büroservice finden. Inhaberin Wiebke Kromer zählt seit August den Juristen Dirk Schröter zu ihrem Team. Auf Grund seiner Phokomalie, einer Fehlbildung der Hände und einer Verkürzung des rechten Armes, ist Schröter mit einem Behinderungsgrad von 60 Prozent eingestuft. Auf seine Arbeit im Büroservice hat sein Handicap allerdings kaum Auswirkungen. „Jura ist eine Geisteswissenschaft, insofern ist meine Behinderung dabei kein Problem, nur wenn es darum geht, die Ergebnisse zu Papier zu bringen, gibt es leichte Schwierigkeiten, das Tippen und Schreiben dauert bei mir eben etwas länger“, erklärt der Jurist.
Ein Jahr war Schröter Arbeitslos, bevor Almuth Rademacher von der Agentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven den Kontakt zwischen Schröter und Kromer herstellen konnte. Schröter hatte vor seinem Jura Studium eine Ausbildung zum Industriekaufmann absolviert. „Als mir Almuth Rademacher vorschlug, mich bei einem Buchhaltungsbüro zu bewerben, war ich erstmal sehr skeptisch. In der Ausbildung war mir die Buchführung die unliebsamste Aufgabe, doch ich arbeite hier nicht als Buchhalter, sondern als Hausjurist“, erklärt Schröter. Und die Arbeit gefällt ihm gut. Seine Aufgaben beinhalten Aspekte aus der Betriebswirtschaftslehre, dem steuerlichen und juristischen Bereich. „Die Arbeit ist abwechslungsreich und ich finde es interessant, dass die Aufgaben so vielfältig sind, wir ergänzen uns gut und spielen uns die Bälle gegenseitig zu“, so Schröter.
Almuth Rademacher und Dunja Rother vom Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven freuen sich über die gute Zusammenarbeit. „Auf Seiten der Arbeitgeber gibt es leider immer noch viele Vorbehalte gegenüber Arbeitnehmern mit einer Behinderung“, weiß die Arbeitsvermittlerin. „Viele verkennen das Potenzial, das in behinderten Arbeitnehmern steckt, sie sehen nur die Behinderung“, so Rademacher weiter. Sie wünscht sich, die Arbeitgeber würden sich öfter einmal mit behinderten Bewerbern zusammensetzen, einige Vorbehalte könnten dann ausgeräumt werden. „Viele Arbeitnehmer denken, es kämen hohe Kosten für den Umbau von Arbeitsplätzen auf sie zu, oder sie hätten durch Schwerbehinderte Mitarbeiter häufige Arbeitsausfälle zu erwarten“, so Rademacher.
Zwar konnte in den vergangenen zwei Jahren ein leichter Rückgang unter den Arbeitslosen mit Handicap verzeichnet werden, dennoch sind es im Bezirk Oldenburg-Wilhelmshaven noch immer etwa 5,8 Prozent, das heißt fast jeder 20. Arbeitslose hat eine Behinderung.
