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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Turbulente Hauptversammlung bei Aleo

16.04.2014

Oldenburg Denkwürdige Aktionärsversammlung bei Aleo Solar: Bis in die Abendstunden dauerte am Dienstag die außerordentliche Hauptversammlung des Solarmodulherstellers (Oldenburg/Prenzlau), bei der über den Verkauf des Kerngeschäfts an ein asiatisches Konsortium und die Liquidation des Restunternehmens entschieden werden sollte. Mehrere Kleinaktionäre bombardierten in der teils hitzigen Versammlung den Aleo-Vorstand mit unzähligen kritischen Fragen und Anmerkungen. Erst nach mehr als elf Stunden stimmten die Anteilseigner – dank der klaren Mehrheitsverhältnisse durch den Großaktionär Bosch – den vorgelegten Plänen mit deutlicher Mehrheit zu.

Massiver Verlust

Vor rund 30 Aktionären zeigte Vorstandschef York zu Putlitz zunächst die schwierige wirtschaftliche Situation auf. „Wir müssen der Tatsache ins Auge sehen, dass Aleo in den vergangenen Jahren massive Verluste eingefahren hat und weiter defizitär ist“, sagte er. Anfang des Jahres hatte Aleo nach vorläufigen Berechnungen für 2013 einen Umsatzrückgang um 55,5 Prozent auf 124,5 Millionen Euro und ein Minus von voraussichtlich 69,7 Millionen Euro bekanntgegeben.

Aleo, 2001 gegründet und 2006 an die Börse gegangen, galt zeitweilig mir mehr als 1000 Mitarbeitern als eine der größten europäischen Solarfirmen. 2009 hatte sich Bosch die Mehrheit gesichert. Im März 2013 gab der schwäbische Mischkonzern nach hohen Verlusten bekannt, sich von seiner Solarsparte trennen zu wollen.

Für Aleo wurde Anfang 2014 eine Lösung präsentiert. Der am 5. Februar vereinbarte Kaufvertrag sieht vor, dass die SCP Solar GmbH, hinter der sich drei Unternehmen aus Asien verbergen, für den symbolischen Preis von einem Euro den wesentlichen operativen Geschäftsbetrieb einschließlich des Produktionsstandorts im brandenburgischen Prenzlau und die Marke „Aleo“ übernimmt. Gleichzeitig verpflichtet sich Aleo, einen Betrag von zehn Millionen Euro an SCP zu zahlen.

Zugleich hat Bosch sich u.a. verpflichtet, Aleo einen „Transaktionsausgleich“ von mindestens 31 Millionen Euro zu zahlen. SCP habe u.a. zugesagt, rund 200 der Anfang 2014 noch knapp 700 Mitarbeiter zu übernehmen. Der nicht verkaufte Rest von Aleo soll auf Verlangen von Bosch ab Mai liquidiert werden, womit das Ende der Aleo Solar AG besiegelt wäre.

Zu Putlitz warb auf der Hauptversammlung für diese, aus seiner Sicht „bestmöglich erreichbare“ Handlungsoption. Eine Eigensanierung sei ohne Unterstützung durch Bosch „keine realistische Option“. Er wies zugleich darauf hin, dass durch die wirtschaftliche Entwicklung und das Liquidationsverlangen von Bosch das Grundkapital vollständig aufgebraucht sei.

In der Generaldebatte machten viele Kleinanleger ihrem Unmut Luft. Sie kritisierten, dass bei der Entscheidung weniger die Interessen von Aleo, den meisten Aktionären und Mitarbeitern im Vordergrund gestanden hätten, als die von Bosch. „Bosch hat Angst vor Insolvenz und Ansehensverlust“, sagte Martin Flick von der Deutschen Balaton AG, einem der größeren Minderheitsaktionäre. Auch der Oldenburger Rechtsanwalt Adolf Fugger, meinte, dass die Lösung vor allem dazu diene, „einen Imageverlust von Bosch zu vermeiden“.

Viele Zwischenrufe

Insbesondere Flick und die schon auf vielen Hauptversammlungen in Deutschland als streitbare Aktionärin aufgefallene Caterina Steeg löcherten die Aleo-Spitze mit Fragen. Sie kritisierten, dass nicht auch andere Optionen, etwa eine Planinsolvenz, in Erwägung gezogen worden seien. Dass der Vorstand hierauf eher ausweichend antwortete, führte zu vielen Zwischenrufen. Fugger sprach „von nichtssagenden Antworten, die einer Hauptversammlung nicht würdig sind“. Mehrere Aktionäre schlossen juristische Schritte nicht aus.

Jörg Schürmeyer
Redakteur
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2041

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Aleo Solar | Bosch | SCP Solar GmbH | Aleo Solar AG

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