Oldenburg - Der aktuelle Preisdruck bei zahlreichen Agrarprodukten machten vielen Betrieben die teils erheblichen Erfolge des vergangenen Jahres wieder zunichte. „Milch ist besonders betroffen, aber auch die Veredelung“, sagte Dr. Albert Hortmann-Scholten, Bereichsleiter „Betrieb“ bei der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen, bei der Vorstellung der Betriebsergebnisse im Wirtschaftsjahr 2013/ 2014 (30. Juni). Der russische Importstopp seit August wirke sich drastisch aus. Ferkelerzeuger machten zurzeit mit jedem Tier zehn Euro Verlust.
Einen günstigeren Trend spürten zurzeit dagegen Getreidebauern. Insgesamt sei die Entwicklung des laufenden Geschäftsjahres 2014/ 2015 „schwer zu prognostizieren“, so Hortmann-Scholten.
Dagegen ist das Vorjahr relativ einfach zusammenzufassen: Für den größten Teil der Haupterwerbsbetriebe in Niedersachsen habe das Jahr „für Zufriedenheit gesorgt“, sagte Kammer-Vizepräsident Gerhard Schwetje bei der Jahresversammlung in Oldenburg.
Die Betriebsergebnisse der Betriebe blieben mit einem Durchschnitt von 74 700 Euro (Vorjahr: 75 300) auf relativ hohem Niveau, die meisten Betriebe hätten rentabel arbeiten können. Zugleich sei die Eigenkapitalentwicklung positiv, und die Bereitschaft zu Investitionen nahm weiter zu, bilanziert Schwetje. Jedoch habe sich die Lage im neuen Wirtschaftsjahr eben „deutlich verändert“. Die Stimmung sei „analog zu den Produktpreisen Schritt für Schritt nach unten gegangen“.
Nach Sparten fiel die Bilanz für 2013/2014 so aus: Futterbaubetriebe (Milch) erlebten 2013/2014 „hervorragende Vermarktungsmöglichkeiten für Milch- und Käseprodukte“. Der Milchpreis sei nahezu im gesamten Wirtschaftsjahr gestiegen und habe zwischen sechs und zehn Cent über Vorjahresniveau gelegen. Das Unternehmensergebnis stieg im Durchschnitt um 33 Prozent auf 80 100 Euro. Schwächer schnitten die ebenfalls unter „Futterbau“ erfassten Bullenmäster ab. Marktfruchtbetriebe (Ackerbau) meldeten 2013/ 2014 gute Getreideerträge, die allerdings den Preis drückten. Auch bei Zuckerrüben gaben die Preise nach, bei Kartoffeln gab es (2013) im freien Verkauf „deutliche Preiszuwächse“. Im Durchschnitt der Betriebe gab es „derbe Gewinneinbußen“ von mehr als 25 Prozent auf 88 600 Euro. Das sei „immer noch akzeptabel“. In der Veredelung habe sich nach drei Jahren gestiegener Schweinefleischpreise wieder ein Rückgang eingestellt. Dieser sei auch nicht durch gesunkene Futterkosten aufgefangen worden. „Die Schweinemäster machten ein deutliches Minus“, meinte Schwetje. Anders sah es bei Ferkelerzeugern nach dem Ausstieg diverser Betriebe aus, die Preise zogen leicht an. Im Durchschnitt sank das Unternehmensergebnis auf 62 800 (67 300) Euro.
Vizepräsident Schwetje betonte mit Blick auf aktuelle Diskussionen, die Landwirte seien auf Akzeptanz angewiesen. Industrie und Einzelhandel müssten bei Tierwohl-Initiativen mitziehen. Letztlich müsse auch der Verbraucher bereit sein, zusätzliche Kosten zu bezahlen.
Kammerdirektor Hans-Joachim Harms hob die größeren Investitionen hervor, mit denen die LWK ihre Leistungsfähigkeit – auch bei der Unterstützung der Betriebe bei notwendigen Anpassungen – erhöht habe. Dazu gehören der Ausbau des Bildungszentrums für fast 29 Millionen Euro und die Erneuerung der Schadenerreger- und Quarantäne-Untersuchung im Pflanzenschutzamt Echem. Die Zahl der Auszubildenden habe sich erfreulich entwickelt, so Harms – um plus 375 auf 6076.
Bei der Kammerversammlung wurden auch die besten Absolventen 2014 geehrt. Der Oldenburger Vladimir Pytev (Milchhof Diers) wurde zudem mit dem „Arbeitnehmerpreis für besonderes Engagement“ ausgezeichnet. Der diesjährige Journalistenpreis der Kammer geht an Dirk Visser („NOZ“).
Landes-Agrarminister Christian Meyer (Grüne) rief Kritiker dazu auf, die Landwirte nicht „über einen Kamm zu scheren“. Zum Freihandelsabkommen mit den USA meinte er, bei den damit verbundenen Marktöffnungen würden „Standards abgegeben“. Zum neuen Landes- Raumordnungsprogramm meinte er, es gehe letztlich darum, Moorflächen „von anderer Nutzung als Landwirtschaft frei zu halten“.
