TWEELBäKE - Der 80-Jährige verfolgt aufmerksam die Agrar-Diskussionen. Er freut sich über höhere Preise.

Von Klaus-Peter Jordan

Natürlich wird Hans Behrens nie von seinem Beruf loskommen: Einmal Landwirt – immer Landwirt. Der heute 80-jährige ehemalige Präsident der Landwirt-schaftskammer Weser-Ems übergab zwar seinen Hof in Tweelbäke (Kreis Oldenburg) 1993 ganz offiziell an seinen Sohn und gab 1997 alle öffentlichen Aufgaben und Ehrenämter – und damit nach zwölf Jahren auch die Präsidentschaft der Kammer – ab. Aber noch heute bewirtschaftet er mit seiner Frau Renate einen großen Obst- und Nutzgarten, durch den er seine Besucher nicht ohne Stolz führt.

Gemüseanbau unter strenger Beachtung der Fruchtfolge ist dort selbstverständlich. Und der neue Obstgarten mit 40 Bäumen dient der praktischen Erforschung, welche Sorte zu welcher Wurzel-Unterlage und zu welchem Bo-den passt. „Das macht viel Freude und bringt immer noch neue Erfahrungen“, sagt er mit Blick auf einen brechend voll sitzenden Pflaumenbaum.

Hans Behrens hat sich früh öffentlich für die landwirt-schaftlichen Belange engagiert. Bereits mit 20 Jahren gründete er einen Landjugend- und Landvolkverband mit. Und auch heute noch hat der Alt-Präsident eine dezidierte Meinung zu Trends und Entwicklungen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Auch wenn er sich nicht mehr unaufgefordert einmischt. „Das war für mich 1997 klar: Wenn man ausscheidet, muss man sich zurückhalten“, betont er.


Doch der Journalist will natürlich wissen, welche Mei-nung ein ehemaliger Landwirtschaftskammer-Präsident zu aktuellen Agrar-Themen hat.

Die Fusion „seiner“ Landwirtschaftskammer Weser-Ems mit der in Hannover? „Die war folgerichtig“, so Behrens klipp und klar. Zwei Kammerverwaltungen in Nieder-sachsen bei immer weniger landwirtschaftlichen Betrieben seien „nicht mehr angezeigt gewesen“.

Der Boom bei Bio-Lebensmitteln? „Wenn Bio draufsteht, heißt das nicht unbedingt, dass mehr Gesundheit drin steckt.“ Entscheidend für die gesunde Ernährung sei die Gleichwertigkeit der Nährstoffe und Elemente in einem Lebensmittel.

Nachwachsende Rohstoffe als neue Einkommensquelle für die Bauern? Behrens zögert einen Moment. Natürlich sei es für die Landwirte positiv, dass die zusätzliche Nachfrage nach Getreide als Rohstoff für Biogasanlagen zu höheren Agrarpreisen geführt habe. „Aber 70 Prozent der Biogasanlagen laufen nicht wirtschaftlich.“

Behrens lässt aber keinen Zweifel daran, dass für ihn Landwirte in erster Linie für die Ernährung der Men-schen verantwortlich sind. Die weltweite landwirtschaft-liche Nutzfläche sei nicht vermehrbar – die Weltbevölke-rung aber wachse weiter. Um sie ausreichend ernähren zu können, bedürfe es erheblicher Innovationen.

Und die Agrarpolitik? Nach der Ära Künast hätten die Bauern mit großer Erleichterung die Berufung von Horst Seehofer zum Bundeslandwirtschaftsminister begrüßt, weiß Behrens. Und auch in der EU-Agrarpolitik laufe es derzeit mit der dänischen Kommissarin Mariann Fischer Boel gut. ,,Sie hat selbst einen Hof bewirtschaftet und weiß, wenn Landwirtschaft betrieben wird, muss die Fa-milie davon leben können.“

Nach zwei Stunden Gespräch und Gartenbesichtigung ist dem Besucher klar: Hans Behrens kennt auch mit 80 Jahren keine Langeweile. Er bleibt Landwirt und landwirtschaftlicher Interessenwahrer.