Garrel - An der Industriestraße in Garrel wird jede Menge bewegt. Darunter derzeit eine Menge Baumaterial. Die Goldschmaus-Gruppe wuchs in den vergangenen Jahren stetig. Und auch derzeit wird wieder investiert – sogar im zweistelligen Millionenbereich.
Im Gespräch mit der NWZ erläuterte Goldschmaus-Geschäftsführer Josef Hempen die Pläne. Demnach soll dort bis zum Ende des Jahres eine neue Verpackungsanlage mit einem Leergutlager und einer Leergut-Reinigungsanlage entstehen. Darüber hinaus wird an der Daimler-Benz-Straße ein neues Tiefkühllager gebaut.
Im neuen Tiefkühllager können mehr als 3600 Tonnen tiefgefrorenes Fleisch – rund 6000 Euro-Paletten – eingelagert werden, die für den Export bestimmt sind. Josef Hempen: „Alles, was in den Export geht, wird dann sicher binnen 24 Stunden im Froster stehen. Die Qualität und die Produktsicherheit stehen hier an erster Stelle.“ Das Fleisch wird künftig über eine Brücke über die Industriestraße direkt in das Tiefkühllager befördert, der Transport per Lastwagen entfällt.
Dass der Export für die Böseler Goldschmaus GmbH von enormer Bedeutung ist, machen die Zahlen deutlich: 45 Prozent der Produkte gehen ins Ausland, etwa 18 Prozent in den asiatischen Raum. Insgesamt beliefert die Böseler Goldschmaus 33 Länder. Renner sind in Italien etwa Schinken, in den osteuropäischen Ländern eher fettere Fleischprodukte, während der deutsche Markt eher magere bevorzuge. „Alles, was Knochen und Knorpel“ hat – Schnauze oder Pfoten etwa – gelte in China als Delikatesse.
„Interessant“ ist für die Böseler Goldschmaus auch der russische Markt. Zwar sei man vom Einfuhrstopp nach Russland nicht direkt betroffen, die Auswirkungen spüre man gleichwohl, schließlich seien in einigen Segmenten die Fleischpreise angesichts eines Überangebots massiv eingebrochen.
Die Kapazitäten am Standort Garrel sind mit 30 000 Schweineschlachtungen in der Woche völlig ausgelastet. Zusätzlich lässt Goldschmaus in Lohne schlachten – insgesamt werden so pro Woche rund 35 000 Schweine verarbeitet. Als die Böseler Goldschmaus 1993 aus der Erzeugergemeinschaft Bösel heraus von 32 Landwirten rund um Bösel und Garrel gegründet worden war, wurden rund 30 000 Schweine pro Halbjahr geschlachtet. Das Unternehmen nahm eine rasante Entwicklung – zuletzt nicht so sehr in den Schlachtzahlen, sondern in der Wertschöpfungskette, so Josef Hempen. Zerlegt werden in Garrel auch Rinder, die aber in Oldenburg geschlachtet werden.
Nach Angaben von Josef Hempen macht die Goldschmaus-Gruppe einen Umsatz von rund 500 Millionen Euro pro Jahr. Beschäftigt sind dort rund 650 eigene Mitarbeiter und etwa 400 Leiharbeiter oder Werkvertragsarbeiter. Darüber hinaus werden 17 Azubis in verschiedenen Berufen ausgebildet.
Geschlachtet und verarbeitet werden ausschließlich Schweine, die in Deutschland geboren, aufgezogen und gemästet wurden, macht Josef Hempen deutlich. Sie werden mit dem Siegel „5 x D“ vermarktet.
Im Minutentakt rollen die schweren Lastwagen auf das Betriebsgelände in Garrel. Hektische Betriebsamkeit herrscht. Im Verwaltungstrakt von Deutschlands siebtgrößtem Schlachtunternehmen lächeln zwei „Goldschmaus“-Bauern als Foto von der Wand. Darunter heißt es: „Bei Goldschmaus liegt Landwirtschaft in der Familie.“
„Unser Ziel ist es, alles für das Ansehen der Bauern und der Landwirtschaft zu tun“, sagt Josef Hempen. Sie nämlich würden an sieben Tagen in der Woche einen hervorragenden Job machen. Das müssten sie künftig auch so nach außen hin zeigen. „Denn es sind die Landwirte, die am Anfang der Wertschöpfungskette stehen und so den Grundstein für ein sicheres, kontrolliertes und vor allem regionales Produkt legen“, sagt Josef Hempen.
