Fedderwardersiel - Obwohl es noch viel zu tun gebe, sei die Nachhaltigkeitswende in der Fischerei viel erfolgreicher als die Agrar- und die Energiewende, stellte Dr. Peter Breckling fest. In den vergangenen acht Jahren sei der Anteil nachhaltig bewirtschafteter Fischbestände im Nordatlantik mit Nord- und Ostsee, den Hauptfanggründen der deutschen Fischerei, von 6 auf 61 Prozent gesteigert worden, berichtete der Generalsekretär des Deutschen Fischerei-Verbandes.
Peter Breckling war auf Einladung des Arbeitskreises der Butjadinger Kunst- und Kulturwochen „Gezeiten“, der bei dieser Veranstaltung von der Rudolf-von-Bennigsen-Stiftung finanziell unterstützt wurde, am Dienstagabend im Nationalparkhaus und Museum in Fedderwardersiel zu Gast. Von knapp 30 Zuhörern, darunter jedoch kein aktiver Fischer, ging der Referent in einem Vortrag der Frage nach, ob die Fischerei die Nachhaltigkeit schafft.
Die Antwort gab der Generalsekretär gleich zu Beginn seines mit Erläuterungen zur Nachhaltigkeit und Berechnungsmethoden bestickten Vortrages. Die großen Erfolge bei der Reduzierung der Überfischung, für die die Fischerei zum Teil große Opfer gebracht habe, seien durch eine konsequente internationale Umsetzung von Bewirtschaftungsplänen (Fangquoten) und die Anwendung des Prinzips des maximalen Dauerertrags erzielt worden. Der gibt die höchstmögliche Fischmenge an, die einem Bestand auf Dauer entnommen werden kann, ohne dass der Fortpflanzungsprozess erheblich beeinträchtigt wird.
Peter Breckling warb für die Fortsetzung dieses jedoch sehr schwierigen Weges, der weltweit nicht nur auf Zustimmung stoße, zumal Fangquoten nicht überall durchsetzbar und kontrollierbar seien. Eine nachhaltige Bewirtschaftung der Meere bedeute letztlich aber mehr Fisch, mehr Jobs und mehr Wohlstand.
Er könne in Fedderwardersiel natürlich nicht referieren, ohne etwas zu den Nordseekrabben zu sagen, scherzte der Vertreter aller Fischer in Deutschland. Um die Bestände brauche man sich nicht zu sorgen. Wissenschaftler des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) hätten nachgewiesen, dass das Krabbenvorkommen seit 40 Jahren steigende Tendenzen aufweise.
Die Krabbenbestände in der Nordsee seien von rund 8 Kilogramm pro Hektar in den 1970er-Jahren auf rund 12 Kilogramm im Jahr 2010 gestiegen, obwohl im selben Zeitraum die Gesamtanlandungen der europäischen Krabbenfischer von 20 000 auf 35 000 Tonnen pro Jahr deutlich angestiegen sind.
Steuern lasse sich der Krabbenbestand durch einen Managementplan aber nicht, da der natürliche Verlust zwei- bis 14-mal so hoch wie der Fischereifang sei, erläuterte Peter Breckling. Bislang gebe es auch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse über die gründe für die stetige Zunahme des Krabbenaufkommens.
Sorge bereite, dass die Krabbenfischer mit Kuttern unterwegs seien, die vor 30 Jahren und mehr mit bis zu 80 Prozent staatlichen Zuschüssen gebaut wurden. Diese finanziellen Hilfe gebe es nicht mehr. Weil die Fischer, um konkurrenzfähig bleiben zu können, in neue Kutter (1 bis 1,5 Millionen Euro) investieren müssten, bräuchten sie stabile auskömmliche Erlöse, machte der Generalsekretär des Deutschen Fischerei-Verbandes deutlich.
