München - Die deutsche Wirtschaft lässt sich die Stimmung von der anhaltenden Krise in der Ukraine nicht verderben. Die Unternehmen bewerten nicht nur ihre Lage erneut besser, sie blicken auch wieder mit mehr Zuversicht auf die kommenden Monate. Nach einem Rückgang im März stieg der Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts überraschend von 110,7 auf 111,2 Punkte.

Fachleute hatten eigentlich mit einem weiteren Dämpfer gerechnet. Grund waren Befürchtungen, die wachsenden Spannungen im Verhältnis zu Russland und drohende Sanktionen könnten auch deutsche Firmen hart treffen.

„Die Unternehmen schauen zudem wieder zuversichtlicher auf die weitere Geschäftsentwicklung. Trotz der Krise in der Ukraine setzt sich die positive Grundstimmung durch“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Donnerstag. „Die bisher schon gute Geschäftslage hat sich weiter leicht verbessert.“

Das zeigt sich in allen drei Werten, die von den Münchner Wirtschaftsforschern erhoben werden. Die Lagebewertung kletterte leicht von 115,2 auf 115,3 Punkte. Wichtiger noch: Der Wert für die Erwartungen an die kommenden Monate machte im April von 106,4 auf 107,3 deutlich Boden gut. Besonders in der Industrie läuft es weiter besonders gut: „Im verarbeitenden Gewerbe ist der Geschäftsklimaindex auf den höchsten Wert seit Juli 2011 gestiegen“, sagte Sinn.

Der Chefvolkswirt der KfW-Bank, Jörg Zeuner, sieht einen schwungvollen Start für die Wirtschaft ins zweite Quartal: „Der gestiegene Ifo-Index ist eine freudige Überraschung – insbesondere das deutliche Plus bei den Erwartungen“. Er rechne nun damit, dass beim Wirtschaftswachstum in Deutschland in diesem Jahr eine Zwei vor dem Komma möglich sei. „Außenwirtschaftlich erweisen sich die USA ein weiteres Mal als Zugpferd“, sagte Zeuner.


Der Ifo-Index hält sich bereits seit März 2010 über der Marke von 100 Punkten. Vor dem Minus im vergangenen Monat hatte es den letzten kleinen Rückgang im Oktober 2013 gegeben. Allerdings sprechen Volkswirte erst nach drei Änderungen in Folge von einer möglichen Trendwende. Der Ifo-Index wird monatlich durch die Befragung von rund 7000 Unternehmen ermittelt.