Ladbergen/Garrel - Keine Frage, wie jeder andere Unternehmer auch will Ulrich Wendeln Geld verdienen. Doch der Garreler hat den Umweltschutz ebenfalls weit oben auf die Prioritätenliste gesetzt – er selbst nennt das „nachhaltige und verantwortliche Produktion“.
Endlose Felder
Endlose Sonnenblumenfelder in der Ukraine haben den heute 46-Jährigen während eines zweijährigen Aufenthalts (1998 bis 2000) dort auf eine Geschäftsidee gebracht: Seit 2006 werden in Wendelns „Goldener Mühle“ am Standort Ladbergen jährlich rund 80 000 Tonnen rohe Sonnenblumenkerne geschält – „wir haben eine komplette Wertschöpfungskette aus einem Rohprodukt“, so Wendeln.
Europas Marktführer
Die geschälten Kerne – in diesem Bereich ist die „Goldene Mühle“ Marktführer – werden für Brot- und Backwaren, Snacks sowie hochwertige Öle verwendet, zudem Bestandteile für die Nahrungsmittel- und die Tierfutterindustrie gewonnen. Ein Teil der Schalen wird zur Energiegewinnung verbrannt. Nichts wird entsorgt.
Die Mühle liegt direkt am Dortmund-Ems-Kanal, so dass die Anlieferung der Rohware aus Frankreich, Ungarn, Slowakei und Bulgarien per Schiff erfolgt. „So gelingt es uns, jährlich rund 8000 Tonnen CO² einzusparen“, sagt Wendeln stolz.
Vor nur einem Jahr hat Wendeln gemeinsam mit Ulrich Meyer (Bösel) ein Patent angemeldet, die den Kunststoff-Markt revolutionieren könnte. „Bislang brauchte man zur Herstellung von einer Tonne Kunststoff rund drei Tonnen Erdöl“, klärt Diplom-Betriebswirt Wendeln auf. Doch nun werden dem Polypropylen (PP) – aus dem Kunststoff bislang komplett hergestellt wurde – rund 50 Prozent fein gemahlene Sonnenblumenschalen beigemischt. Bei 230 Grad Celsius wird das Gemisch in seine Form gespritzt. „Eine erste Charge des neuen Produkts werden wir jetzt den Kunststoffherstellern zum Test zur Verfügung stellen.“ Bei einer weltweiten Jahresproduktion von 38 Millionen Tonnen Sonnenblumenkernen fallen rund 7,6 Millionen Tonnen Schalen an – das Produkt könnte also auch in der weltweiten Kunststoff-Produktion eine nicht ganz unwichtige Rolle spielen.
36 Mio. Euro investiert
Auch im Bereich Strom- und Wärmegewinnung setzt Wendeln – ebenfalls am Standort Ladbergen – auf den Umweltschutz und somit auf erneuerbare Energie. Im kommenden Jahr soll alles fertig sein: Dann hat er unter dem Firmennamen „Münsterland- Energy“ Europas größtes Biomassekraftwerk seiner Art – also die thermochemische Vergasung von Holzpellets – mit einer Investitionssumme von 36 Mio. Euro errichtet. „Es gibt größere Biomassekraftwerke, die Holzhackschnitzel einsetzen, aber wesentlich weniger wirkungsvoll sind und hauptsächlich Wärme produzieren“, so Wendeln.
Gigantische Energiemenge
Mit der Leistung des seit 2008 in drei Stufen ausgebauten Heizkraftwerks können rund 14 300 Haushalte mit Strom und 3500 Einfamilienhaus-Neubauten mit Wärme versorgt werden. Dazu braucht Wendeln jährlich rund 28 000 Tonnen Holzpellets. Wenn dieselbe Strom- und Wärmemenge mit fossilen Brennstoffen produziert werden würde, müssten jährlich rund 60 000 Tonnen mehr CO² in die Atmosphäre geblasen werden.
Wärme zum Flughafen
Rund sechs Kilometer von seinem Standort entfernt hat Wendeln einen Nachbarn, der einen Großteil der Wärme komplett abnimmt. Zum Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) fließt rund 95 Grad heißes Wasser, das mit rund 65 Grad Celsius zur „Münsterland-Energy“ wieder zurückkommt. In besonders harten Wintern braucht FMO bis zu vier Megawatt Wärme, im Sommer wird die Wärme mittels Wärmetauscher in Kälte verwandelt.
Sein Unternehmergeist wurde Ulrich Wendeln quasi in die Wiege gelegt. Als drittes Kind der Großbäckerei-Familie Paul Wendeln versucht er heute „mehr denn je, global zu denken, Innovationen voranzutreiben und in vernetzten Systemen zu agieren“.
