Cloppenburg - Landrat Hans Eveslage und die betroffenen Bürgermeister der Kommunen im Landkreis Cloppenburg und Vechta laufen Sturm gegen geplante Stromtrassen, die durch den Landkreis Cloppenburg führen sollen.

Hintergrund: Um Strom aus den geplanten Windparks in und an der Nordsee (On- und Offshore) in den Süden zu transportieren, sind neue Stromleitungen notwendig. Die werden laut Netzentwicklungsplan 2012 nach vier Szenarien unterschiedlich stark den Kreis betreffen.

Zwischen Conneforde und Cloppenburg will Netzbetreiber Tennet in allen Szenarien auf bestehender Trasse eine 380-kv-Leitung neu bauen, ab Cloppenburg soll die Leitung auf einer neuen Trasse bis nach Westerkappeln weitergeführt werden.

Zusätzliche Trassen sind aber notwendig: In einem Szenario soll eine Stichtrasse von Cloppenburg an die östlich verlaufende Haupttrasse von Elsfleth nach Philippsburg angebunden werden. Würde ein besonders hoher Anteil an Strom aus regenerativen Energien transportiert werden müssen, würden im Umspannwerk Cloppenburg sogar drei in die Erde verlegte Hochspannungs-Gleichstrom-Trassen ankommen.

In Cloppenburg Ost müsste ein neues rund 15 Hektar großes Umspannwerk gebaut werden – zusätzlich zum bestehenden rund 3,5 Hektar großen Werk. Die riesige Anlage würde 26 Fußballfelder groß sein. Am Umspannwerk sollen drei Übertragungssysteme mit rund drei Gigawatt Gesamtleistung zusammenlaufen und in Wechselstrom konvertiert werden. Über welche Trassen der Strom weiterverteilt wird, steht bislang nicht fest. Allerdings würden dafür in der Regel Hochspannungsleitungen gebaut. „Nachhaltig beeinträchtigt“ würden vor allem die Südkreisgemeinden Cappeln, Emstek, Essen und Garrel, so die Kreisverwaltung. Betroffen wären im Kreis Vechta Bakum und Dinklage.


Die für den Kreis typischen Streusiedlungen hätten zur Folge, dass die Strom-Leitungen zu einem erheblichen Teil in der Erde verlegt werden müssten, weil nach den geplanten Trassenverläufen Mindestabstände von 200 Metern im Außenbereich und 400 Meter zu Wohnsiedlungen nicht eingehalten werden könnten, prognostiziert Landrat Eveslage in einer Stellungnahme. Erhebliche landwirtschaftliche Flächen würden in Anspruch genommen werden müssen.

Die Firma Tennet hat für die Anbindung der künftigen Offshore-Windparks neue Trassenkorridore bereits beantragt. Dafür ist nach Angaben der Kreisverwaltung ein Raumordnungsverfahren eingeleitet worden. Daran übte Landrat Eveslage deutliche Kritik. Er forderte, zunächst die oberirdischen Hochspannungsleitungen festzulegen, um dann die „relativ flexiblen“ erdverkabelten Trassen von den Seekabeln zum Umspannwerk Cloppenburg zu bestimmen.

Die Anbindung von drei Übertragungstrassen an das Umspannwerk Cloppenburg hält Eveslage für „fragwürdig“. Ausschließlich die gegenwärtige Lage habe offenbar zur Standortwahl geführt. Das Umspannwerk sollte, so Eveslage, „in einer größeren Entfernung zur Stadt“ entstehen, wo es „deutlich weniger nachteilige Auswirkungen“ gäbe.

Es könne „von Seiten der Region nicht hingenommen werden, dass der durch die Energiewende hervorgerufene Netzausbau einseitig für den Raum des Oldenburger Münsterlandes zu besonderen Belastungen führt“, hatten sich im Juni Eveslage und die Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese (Cloppenburg), Reinhold Grote (Cappeln), Michael Fischer (Emstek), Georg Kettmann (Essen), Andreas Bartels (Garrel), Hans Lehmann (Bakum) und Heinrich Moormann (Dinklage) gegen die Planungen ausgesprochen.

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)