Immer - In dem seit Jahren schwelenden Nachbarschaftstreit um den Standort einer Kadavertonne an der Stüher Straße in Immer ist eine überraschende Wende eingetreten. Landwirt Onno Osterloh hat die Metallkiste am Dienstag an einem anderen Standort aufstellen lassen – und zwar an der Straße „Im Fladder“.

Wie der Landwirt auf NWZ-Anfrage sagte, wolle er zur Deeskalation beitragen. Erst vor kurzer Zeit hätten Unbekannte in unmittelbarer Nähe seines Wohnhauses Graffiti auf Gullydeckel gesprüht, die in Richtung des alten Standortes der Tonne wiesen. Weil sich die Familie fürchtete, habe sie ihren Hund, einen Deutsch-Langhaar, nachts frei auf dem Hof laufen lassen. Nun sei das Tier vergiftet worden.

„Es ist die pure Angst, die uns treibt“, sagte Osterloh. Die Familie möchte in Ruhe leben. Nicht auszudenken, wenn seine zweijährige Tochter einen der vergifteten Fleischbällchen zu sich genommen hätte. Wie schon bei den Schmierereien der Vergangenheit (die  NWZ berichtete) habe er auch im jüngsten Fall Anzeige erstattet.

Wie bereits mehrfach berichtet, stand der gekühlte Behälter des Betriebes Osterloh an der Kreisstraße 327 („Stüher Straße“) vis-à-vis der Einmündung im Fladder. Der Standort war vor allem Holger Cordes und Manuela Hohnholz, die etwas 50 Meter entfernt auf der anderen Straßenseite wohnen, ein Dorn im Auge. Sie beklagten eine massive Geruchsbelästigung. Zudem sei davon auszugehen, dass auf der gut 750 Meter langen Transportstrecke von der Putenmastanlage bis zum Kadaverbehälter Keime austreten, die womöglich für Menschen gefährlich seien.

Damit „Frieden in der Nachbarschaft“ einkehrt, hatte Osterloh den Verband der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft (NGW) eingeschaltet. Dazu wurde die evangelische Landeskirche in Hannover gebeten, eine Schlichterin zu beauftragen. Nach Angaben des NGW trafen sich die Parteien mit dem Verbandsvorsitzenden Friedrich-Otto Ripke und der Schlichterin. Vereinbart wurde, dass Landwirt Osterloh den Container auf eigene Kosten auf eine gepachtete Fläche versetzt. Dazu kam es zunächst nicht, weil auch dieses Areal mit Farbe besprüht worden war.


Nach den jüngsten Vorfällen hat Osterloh den Container nun an die Straße „Im Fladder“, unweit der Mastanlagen, aufstellen lassen. Am Freitag habe er vorab das Veterinäramt informiert.

„Warum hat Herr Osterloh die Kiste nicht gleich dort aufgestellt“, zeigte sich Manuela Hohnholz am Dienstagabend mit der Versetzung durchaus einverstanden. Allerdings müsse der Landwirt den Schlichtungsvertrag komplett umsetzen. Näher wollte sie sich nicht äußern.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent