Betrifft:
Rücktritt vom Priesteramt von Pfarrer Wolfgang Pille (NWZ berichtete mehrfach)Well weit, wo vör dat gaut is! lautete einer der Aussagen in einer Predigt von Wolfgang Pille. Als betroffener Christ habe ich nicht nur mit Bestürzung die Nachricht vom Ausscheiden von Wolfgang Pille erhalten.Wut und Enttäuschung machen sich in meiner Familie, im Freundeskreis und in der Kirchengemeinde Barßel breit, dass einer der Kultfiguren die Gemeinde verlässt. Nie zuvor hat ein Geistlicher mehr Menschen in seinen Bann gezogen als Wolfgang Pille!
Nie zuvor war so häufig in der Kirche laut applaudiert worden, wenn Pastor Pille seine Predigten schloss! Es wurde wieder nach den Messen geredet. Miteinander! Die Gläubigen waren auf dem Weg, nach der Fusion der Kirchen in der Gemeinde eins zu werden.
Und nun der Entschluss des Geistlichen, sein Amt als Priester aufzugeben, um mit einer Frau an seiner Seite zu leben. Als mündiger Christ muss man sich die Frage stellen, in welchem Jahrhundert die katholische Kirche lebt, dass eine (offene) Beziehung nicht geduldet wird, jedoch die Seitensprünge von der Kirche bezahlt werden?
Was ist das für eine Institution, die von der Tatsache einer Beziehung vielleicht sogar Kenntnis hat, und dennoch einen jungen Geistlichen mit der Aufgabe betraut, eine Kirchengemeinde zu führen? Ist den Kirchenoberen eigentlich nicht klar, dass mit der Tatsache einer Entpflichtung von Wolfgang Pille jegliche Glaubwürdigkeit in die Institution Kirche verloren gegangen sein könnte?
Andre WesterkampLoheBeim Ausscheiden von Pfarrer Wolfgang Pille aus dem Priesteramt wird wieder einmal deutlich, dass der Zwangszölibat ein Mittel des Machterhalts der Männerhierarchie ist. Wer es bei der Fusionierung der Gemeinden noch nicht gemerkt haben sollte, dem wird jetzt wieder einmal vor Augen geführt: Der Kirchenleitung geht es nicht um Menschen oder Treue zum Evangelium, sondern um ihren eigenen Machterhalt und Zentralisierung um jeden Preis.Eine biblische Begründung des Pflichtzölibats gibt es ja nicht und über die unseligen und elenden Auswirkungen des Zwangszölibats ist viel geschrieben und gesprochen worden. Warum wird dennoch am Zölibat für Priester festgehalten? Es ist eben die bewährte Lebensform, mit deren Hilfe junge Männer für den Machterhalt des Systems sorgen.
So tappen Bischöfe und Papst immer wieder in die selbstgebaute Falle des Pflichtzölibats und nehmen billigend in Kauf, dass nicht nur viele Priesterexistenzen verkümmern und in heimlichen Beziehungen viel Elend anrichten, sondern auch viele Gemeinden ausbluten, die durch Zwangsfusionierung amputiert werden und zwangsläufig Mitglieder verlieren.
Einen glaubwürdigen und überzeugenden Weg wird die Kirche nur finden, wenn die zölibatäre Lebensform freigestellt wird und auch verheiratete geeignete Frauen und Männer aus den Gemeinden zu Priesterinnen und Priestern geweiht werden.
Übrigens sollten nicht nur jene, die sich - aus welchen subjektiven Gründen auch immer - berufen fühlen, Priester werden, sondern auch diejenigen, die durch die Gemeinden vor Ort berufen werden.
Dann brauchten wir keine Fusionierung der Gemeinden und kein Priester würde seinen Beruf verlieren, nur weil er in Mut und Aufrichtigkeit zu seiner Partnerin steht (..).
Dietmar KortkampCloppenburg
