Cloppenburg - Eine Tiefpreisphase, die nun schon ziemlich lange vor allem die Milchvieh- und Schweinehalter trifft, immer neue Auflagen durch die rot-grüne Landesregierung, immer mehr Menschen, die gegen die derzeitige Form der Landwirtschaft demonstrieren: Der Frust ist teilweise groß unter den niedersächsischen Bauern und vor allem auch unter den Junglandwirten. „Und dass in diesen Zeiten die potenziellen Hofnachfolger nicht unbedingt den Hof weitermachen, das liegt zu einem Teil an den schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen. Ja, aber zum genausogroßen Teil an politischer Bevormundung und Stimmungsmache gegen einen stolzen Berufsstand“, sagte der Vorsitzende der Junglandwirte Niedersachsens, Eric Brenneke (Weserbergland) am Mittwoch beim Junglandwirtetag in Cloppenburg. 500 Teilnehmer waren dazu in die Stadthalle gekommen.

In der Schlachtbranche und im Lebensmitteleinzelhandel – so Brenneke weiter – nehme die Konzentration zu. „Es läuft etwas schief, wenn sich Probleme und Krisen nicht auf alle Teilnehmer der Kette verteilen und es nicht deutlich genug artikuliert wird, dass alle Handelspartner überleben müssen. Zurzeit wird die Krise nur auf dem Rücken von uns Bauern ausgetragen.“ Wer sich gegen die herkömmliche Landwirtschaft richte – meinte Schweinehalter Brenneke – und die Vermarktungsstrukturen außer Acht lasse, die die Landwirtschaft entscheidend beeinflussten, betreibe Populismus.

Gleichwohl mahnte der Junglandwirte-Chef seine Kollegen, sich zu öffnen. Öffentlichkeitsarbeit werde mehr und mehr zu einem Betriebsstandbein. „Der moderne Landwirt wird in Zukunft mehr und mehr Präsenz in der Gesellschaft zeigen müssen.“

Wie das aussehen kann, erklärte die Junglandwirtin Jana Eilers (Ganderkesee). Kindergartengruppen, Schulklassen, Politiker und Sportvereine hätten schon ihren Rinderbetrieb – unter anderem hält sie dort 100 Milchkühe – im Ganderkeseer Ortsteil Schönemoor besucht. Über das Projekt „Einsichten in die Tierhaltung“ gebe es für solche Aktionen Fördermittel und wertvolle inhaltliche Unterstützung, so dass die mitarbeitenden Landwirte nur wenige Verpflichtungen hätten, erklärte Eilers.

Ihr Kollege Julius Ellmann (26), der in Bakum einen Betrieb mit Fresseraufzucht, Schweinemast, Legehennen sowie Kartoffel-, Getreide und Maisanbau führt, berichtete unter anderem von dem Projekt „Landerlebnis mit Bauer und Kuh“, bei dem es ein gemeinsames Frühstück sowie eine Fütterungsaktion auf dem Hof gibt. Darüber hinaus hätten bereits einige Kindergärten und Schulen unter dem Motto „Bauernhof macht Kinderranch“ die Ellmannsche Landwirtschaft besucht.

  

Carsten Mensing
Carsten Mensing Redaktion Münsterland