Hannover - Niedersachsens Wirtschaft schlägt Alarm wegen der geplanten Rente mit 63. „Ein Riesenfehler“, kritisiert Gert Stuke, Präsident vom niedersächsischen Industrie- und Handelskammertag (NIHK). „Eine 63er Regelung ist volkswirtschaftlich nicht zu vertreten“, sagte Stuke der NWZ . Die künftigen Milliarden-Kosten seien der jungen Generation „nicht zumutbar“. Zudem würden dringend notwendige Rücklagen der Rentenkassen verzehrt. „Richtig wäre die alte Altersgrenze von 67 Jahren“, betont Stuke. Man müsse sogar „über eine Bonus-Regelung“ nachdenken für Menschen, die über die Altersgrenze weiterarbeiten möchten, schlägt der Wirtschaftsmanager vor. Geradezu verheerend sei dagegen, wenn die 63er Regelung mit Hilfe von Arbeitslosenzeit sogar auf 61 Jahre gedrückt werden könnte.

Auch der Deutsche Indus­trie- und Handelskammertag (DIHK) hat den Gesetzentwurf zur Rentenreform scharf kritisiert. Besonders mit der Diskussion um die Frühverrentung hole die Bundesregierung die „bösen Geister“ zurück, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Angesichts des Fachkräftemangels könne sich Deutschland eine abschlagfreie Rente mit 63 nicht leisten. Wansleben sagte, es bedürfe einer Politik, die die Unternehmen dabei unterstütze, bessere Arbeitsbedingungen für Ältere zu schaffen.

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch den Gesetzentwurf für eine Rentenreform auf den Weg gebracht. Das Paket sieht die Erhöhung der Mütterrente, die abschlagfreie Rente ab 63 Jahren bei einer Beitragszeit von 45 Jahren und Verbesserungen für Erwerbsminderungsrentner vor. Experten gehen bei dem Paket von Mehrausgaben von 160 Milliarden Euro bis 2030 aus. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) erklärte, die Erziehungsleistungen von Müttern sowie die Leistung derjenigen, die eine Beitragszeit von 45 Jahren vorweisen können, sollen durch das Reformpaket besser anerkannt werden. Damit werde ihnen „nichts geschenkt, sondern sie haben es sich verdient“.