Hannover - Niedersachsens Unternehmer sehen durch die geplante Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes auch die wissenschaftliche Ausbildung in Gefahr. Beim gemeinsamen Empfang der Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN) und der Leibniz-Universität betonte UVN-Präsident Werner M. Bahlsen am Mittwochabend in Hannover, die Studenten würden es dadurch schwerer haben, den Praxisbezug schon im Studium herzustellen. Viele Unternehmen würden zu diesen Bedingungen Praktika streichen oder reduzieren. Der Praxisbezug sei bei der wissenschaftlichen Ausbildung jedoch wichtig. „Das hehre Ziel ist das eine, die praktische Umsetzung das andere“, sagte Bahlsen.
Vor rund 800 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft forderte Co-Gastgeber Erich Barke, der Präsident der Leibniz-Universität, einen engen Schulterschluss von Industrie und Hochschulen. Sie seien vor dem Hintergrund einer immer komplexeren Technologieentwicklung attraktive Partner der Wirtschaft. Angesichts einer seit Jahren sinkenden Grundfinanzierung der Hochschulen würden externe Finanzierungen wichtiger – an der Leibniz-Universität habe sie sich vergangenes Jahrzehnt verdoppelt, sagte er ohne weitere Zahlenangabe.
Bahlsen wies auf die bereits bestehende Förderung hin. Danach unterstützte die Wirtschaft im Jahr 2012 mit 2,5 Milliarden Euro deutsche Hochschulen und Studierende; 10 000 Stipendien mit einem Gesamtvolumen von 45 Millionen Euro wurden 2012 vergeben. Zugleich warnte er vor einem Fachkräftemangel, der spätestens von 2020 an in fast allen Wirtschaftszweigen spürbar sein werde. „Wir müssen zusehen, dass wir die Studierenden und Doktoranden unserer Hochschule hier am Standort Niedersachsen halten“, forderte der UVN-Präsident. Unter den Gästen war auch eine Delegation aus den Niederlanden.
