UPJEVER - Der Lenz ist da und er hilft nun auf dem Fliegerhorst Upjever über den Sommer. Joachim Lenz ist Oberst der Reserve und hat stellvertretend für den urlaubenden Oberst Karl-Heinz Kubiak das Kommando über das Objektschutzregiment der Luftwaffe „Friesland“ und damit zugleich auch über die Objektschutz-Bataillone in Kerpen und Diepholz übernommen.

Der 56-jährige Lenz ist im zivilen Leben Kaufmann und Unternehmensberater, hat u. a. im Hamburger Stadtteil Barmbeck ein florierendes Geschäft für hochwertige Damen- und Herrenbekleidung. Mehrmals im Jahr wird aus dem Unternehmer wieder ein Soldat. Als Oberst hat er vor einem Jahr den Spitzendienstgrad der Reserve erreicht. Mehrmals im Jahr – insgesamt etwa sechs Wochen lang – hängt er Business-Kleidung an den Haken und trägt wieder Flecktarnmuster. „Ich würde das gern noch öfter machen“, sagt der Offizier, „aber als selbstständiger Unternehmer ist das schon das Maximum an Zeit, die ich mich aus meinem Betrieb ausklinken kann.“ In seiner Heimatstadt Hamburg kümmern sich derweil seine Mitarbeiter darum, dass der Laden läuft.

Joachim Lenz war zwölf Jahre lang bei der Bundeswehr, bis er 1986 aus dem aktiven Dienst ausschied. Gern wäre er Berufssoldat geworden. „Doch ich habe damals leider nicht rechtzeitig die richtigen Weichen gestellt“, sagt der Reservist. Als er wusste, dass er bei der Bundeswehr Karriere machen wollte, war die Tür schon zu. „Das habe ich dann später als Reservist alles nachgeholt.“

Auch in der Privatwirtschaft hat der Reserve-Kommandeur viel erreicht. Joachim Lenz hat sich nach seiner aktiven Zeit beim Bund als Systemanalytiker bei Nixdorf ausbilden lassen, war später Vertriebsleiter für ein Essener Industrieunternehmen und ein paar Jahre lang Marketingchef eines Freiburger Unternehmens. Seit Mitte der 90er Jahre ist Lenz, der verheiratet ist und einen erwachsen Sohn hat, selbstständiger Unternehmensberater für Marketing und Vertrieb sowie Inhaber einer Werbeagentur und eines Modehauses.

Schon mehrfach haben sich in der Bundeswehr die Wege von Kubiak und Lenz gekreuzt. 1975, als Lenz an der Bundeswehr-Hochschule in Hamburg mit dem Studium der Pädagogik begann, wurde Kubiak sein Mentor. Einige Jahre später löste Lenz Kubiak als Lehrgangsleiter beim Jagdbombergeschwader 41 in Husum ab. „Dann haben wir uns für Jahre aus den Augen verloren“, sagt Lenz. Erst 2002 bei einer Wehrübung habe er Kubiak wiedergetroffen.


Und nun sitzt Lenz als Kubiaks Stellvertreter an dessen Schreibtisch, zeigt zwischendurch Flagge beim Tag der Infanterie und der Kommandeurstagung in Hammelburg bei Würzburg und macht nun auch noch den Abflug nach El Paso in Texas, um an einem FlaRak-Lehrgang teilzunehmen. Während seiner dreiwöchigen Wehrübung ist Lenz nur sonnabends zuhause in Hamburg, bereitet dort die Woche nach und die nächste Woche vor.

Lenz bekleidet Kubiaks „Spiegel-Dienstposten“: Neben den drei aktiven Bataillonen der Objektschützer existiert ein viertes nichtaktives Bataillon mit 1200 Dienstposten. „Die Truppe mit ihren vielen Auslandseinsätzen arbeitet auf Anschlag, mit dem Schattenbataillon soll die aktive Truppe schnell entlastet werden“, erklärt Lenz.