UPJEVER - Auch wenn die Mitglieder ihre berufliche Vergangenheit allesamt bei der Bundeswehr haben: Bei den regelmäßigen Zusammenkünften der Ehemaligen, Reservisten und Hinterbliebenen (ERH) des Deutschen Bundeswehrverbands in der Kameradschaft Jever/Schortens geht es keineswegs immer nur um das Thema Bundeswehr.
Unlängst haben die ERH in Upjever das zehnjährige Bestehen der Kameradschaft feiern können. So war das vergangene Jahrzehnt von vielen geselligen Veranstaltungen sowie von Ausflügen und Vorträgen geprägt. Bundeswehreinrichtungen standen und stehen ebenso auf dem Besuchsprogramm wie Industrie-Werke und Museen.
Immer wieder sind bei den ERH-Zusammenkünften auch Referenten zu Gast, die über sozialrechtliche oder militärpolitische Fragestellungen referieren oder über ungewöhnliche Reisen in ferne Länder berichten.
Aber auch wenn es um Forderungen geht, waren die Ehemaligen mit dabei, so etwa ganz zu Beginn ihrer Aktivitäten bei einer Demonstration in Berlin gegen Pensionskürzungen, berichtet Johannes Wallusch. Der Oberstabsfeldwebel a. D. steht seit Gründung 2001 der ERH-Kameradschaft Jever/ Schortens vor. Die Mitgliederzahl wuchs von anfangs 170 auf heute 260.
Die Arbeit des Vorstands bestehe vor allem aus Beratung der Mitglieder und ihrer Hinterbliebenen, so Wallusch. Wallusch und seine Vorstandskameraden Leutnant der Reserve Wolfgang Grabbe, (stv. Vorsitzender), Stabsfeld a. D. Manfred Ikemeyer (Schriftführer), Stabsfeldwebel a.D. Gerhard Möcker (Beisitzer) sowie Hauptmann a.D. Walter Jacob machen auch Krankenbesuche und sind bei Todesfällen zur Stelle, wenn es Unterlagen zu Sichten oder Ansprüche geltend zu machen gilt.
„Die ERH haben die Soldaten und ihre Familien im Fokus“, sagt der zweite Vorsitzende Wolfgang Grabbe. Das Spektrum der Betreuung sei breitgefächert und stets gebe es die Möglichkeit, auf die Rechtsabteilung des Bundeswehrverbands zurückzugreifen. Auch das sind sicherlich Gründe, die den starken Mitgliederzuwachs erklären.
Aufgemuckt statt stillgestanden: Die ERH Jever/Schortens haut aber auch auf den Tisch, wenn der Verband die Rechte seiner Mitglieder verletzt sieht. „Dann schreibe ich böse Briefe an die zuständigen Behörden“, erklärt Wallusch. „Die ERH ist schließlich eine aufmerksame und kritische Kameradschaft.“ Aktuell wird in der ERH natürlich auch die Zäsur in der Bundeswehr diskutiert: „Dass eine Union-geführte Bundesregierung einmal die Wehrpflicht aufgegeben würde, hätten wir nie für möglich gehalten.“
Auch die Auswirkungen der Bundeswehrstrukturreform auf den Standort Upjever ist Thema. Die Reform werde sich auch auf den Deutschen Bundeswehrverband auswirken. Wallusch vermutet, dass es mit der Truppenreduzierung zunächst einen Mitgliederanstieg und dann Schwund geben wird. Bereits heute machen die Reservisten im Landesverband Nord 40 Prozent der Mitglieder aus. Auch übernimmt dieser Personenkreis immer mehr Aufgaben innerhalb des Bundeswehrverbands. Viele aktive Soldaten haben wegen zunehmender Belastungen durch die Auslandseinsätze keine Zeit mehr für ehrenamtliches Engagement.
