UPJEVER - Schwere (Rede)-Kost zum köstlichen Essen gab es am Freitagabend auf dem Fliegerhorst Upjever: Zum 15. Friesland-Mahl, zu dem erstmals der neue Kommandeur des Objektschutzregiments der Luftwaffe „Friesland“, Oberst Harald Schulz (48), eingeladen hatte, hatte der Küchenchef des Standorts, Fredo Eckhoff, gemeinsam mit rund 20 Köchen in der Truppenküche wieder ein hervorragendes Fünf-Gänge-Menü gezaubert. Nach einem Karotten-Ingwersüppchen, einem Lachstörtchen als Vorspeise und einem Cassis-Mango-Zitronensorbet stand traditionell die Festrede auf dem „Speiseplan“. Zu Gast war diesmal der neue Kommandeur der Oldenburger Luftlandebrigade 31, Oberst im Generalstab Reinhardt Zudrop (53), der über seine Zeit als Leiter des so genannten Provincial Reconstruction Teams in Kunduz in Afghanistan berichtete.
Oberst Zudrop – übrigens Schwiegersohn des früheren FDP-Außenministers Hans-Dietrich Genscher – war von März bis Ende September in Afghanistan. Seine Ankündigung, aus persönlicher Sicht über seine Erfahrungen zu berichten, setzte er aber nur teilweise um. In seinem Vortrag konzentrierte er sich auf „offizielle“ politische und militärische Aspekte des Afghanistan-Einsatzes. Für viele Zuhörer unter den Gästen des Objektschutzregiments, das seit Jahren fester Bestandteil der Mission am Hindukusch ist, waren diese Informationen und Einschätzungen nicht wirklich neu.
Die regionalen Aufbauteams der internationalen Truppen in Afghanistan haben die Aufgabe, die Regierung beim Aufbau von Sicherheits, Bildungs- und Versorgungssystemen zu unterstützen. Ein für ihn persönlich wichtiges Erlebnis sei der Ausbildungsabschluss für weibliche afghanische Soldaten gewesen, berichtete Oberst Zudrop. Großen Respekt zollte er den amerikanischen Hubschrauber-Besatzungen, die im Kampfeinsatz unter schwerem Beschuss verletzte deutsche Soldaten aus der Gefahrenzone geholt haben. „Es gab anschließend keinen Helikopter ohne Einschussstellen“, so Zudrop.
Während die Zusammenarbeit mit den internationalen Verbündeten sehr gut gewesen sei, habe die Kooperation mit den Afghanen „viele Facetten“, so der Oberst. Ein großes Dilemma sei, dass die internationalen Schutztruppen mit afghanischen Regierungsvertretern zusammen arbeiten müssten, die nicht das Vertrauen der Bevölkerung genießen. Problematisch sei zudem die Diskussion über Rückzugstermine der Schutztruppen, weil sie für Unsicherheit unter der afghanischen Bevölkerung sorgten.
Trotz dieser Probleme zeigte sich Zudrop überzeugt davon, dass der „vernetzte Ansatz“ und die starke Einbindung der Afghanen richtig ist. Ohne die Afghanen gebe es keine Sicherheit im Land und ohne Sicherheit keine Entwicklung. Allerdings müssten Regierungsvertreter, die in Korruption und Verbrechen verstrickt seien, aus ihren Ämtern entfernt werden. Denn Grundlage für jeden Fortschritt sei, das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen.
Sehr wichtig sei zudem die Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte. „Sie sind der Schlüssel für unseren Rückzug“, betonte Zudrop, der fest davon ausgeht, dass das Engagement der internationalen und damit auch der deutschen Truppen weit über das Jahr 2014 hinaus geht.
Auf den Hauptgang mit einer raffiniert angerichteten Schweinelende und einem Deichlammkarree folgten als Dessert ein Cointreau-Soufflé und ein wunderbares Lebkuchenparfait. Bedient wurden die knapp 200 Gäste aus Bundeswehr, Politik, Verwaltung und Wirtschaft von 40 Ordonnanzen, die perfekt auf ihren für Objektschützer sicherlich ungewöhnlichen Einsatz vorbereitet worden waren.
Mit dem jährlich stattfindenden „Friesland-Mahl“ fördert die Luftwaffe den Kontakt zu ihren zivilen und militärischen Nachbarn am Standort.
