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Oldtimer Vergessene Schönheiten aus der Scheune

UPJEVER - „Das ist noch echte Stellmacherarbeit“, sagt Wilhelm Papen aus Rastede und tätschelt seiner Blechliesel die schönen Holzspeichenräder. Die alte Dame zieht alle Blicke auf sich, als sie stolz durch den Forst Upjever rollt und mit hüstelndem Motor und heiser-trötiger „Waltons“-Hupe schließlich unter der Kastanie beim Forsthaus erscheint.

Rund 90 Oldtimerbesitzer, die mit ihren Fahrzeugen am „Branchentreff“ in Bockhorn teilnahmen (die

NWZ

  berichtete), unternahmen bei strahlendem Sonnenschein eine Rallye durch Friesland und machten unter anderem auch am Forsthaus Station. Darunter bildschöne Fahrzeuge wie ein Chevrolet Confederate von 1932, ein Nash Special 6 von 1940 und auch viele edle englische Sportwagen sowie Klassiker aus Deutschland, Frankreich und Italien.

Seit 1967 gehört der bildschöne Oldtimer Ford T (das T steht für Tin Lizzy, also „Blechliesel“) dem Rasteder Autohaus Ford Horstmann. „Ein Scheunenfund in Dänemark“, sagt Papen. Sein Chef habe den alten Ford damals für 500 Mark erstanden – allerdings in restaurationsbedürftigem Zustand. Neben Inhaber Rolf Horstmann darf lediglich Mitarbeiter Wilhelm Papen die alte Dame aus De­troit dann und wann spazieren fahren. Denn das 94 Jahre alte Wägelchen, an dem noch zu erkennen ist, dass das Auto von der Kutsche abstammt, hat – wie das bei alten Damen oft so ist – seine Schrullen und Besonderheiten.

Das ab 1914 in den USA in Serie produzierte Ford T-Modell ist als erstes Fließbandauto quasi auch der erste Volkswagen der Welt: Mit der Blechliesel machte Autobauer Henry Ford zum Einstiegspreis von 350 Dollar erst Amerika und später auch Nordeuropa mobil und veränderte mit seinem rustikalen Wägelchen die Welt. 17 Millionen Exemplare wurden Vom T-Modell gebaut, weiß Papen. Noch heute sollen davon etwa 100 000 Exemplare unterwegs sein. Ersatzteile zu beschaffen sei daher überhaupt kein Problem. Das war es auch schon damals nicht: Reparaturen ließen sich ohne Spezialwerkzeuge ausführen. Ersatzteile für die Liesel gab es in jedem Eisenwarenhandel.

Doch nicht nur das Ford T-Modell ist in Upjever ein Hingucker. Maschinenbaumeister Gerd von Deetzen aus Nordenham ist ebenfalls Oldtimer-Fan und hat – ebenfalls in Dänemark – vor zehn Jahren auf einem Hof einen vergessenen Nash Special 6 erblickt und günstig erstanden. Zwei Jahre lang hat von Deetzen, der unter anderem noch einen Opel Olympia von 1955 besitzt, aus dem Rosthaufen eine strahlende Schönheit gemacht, die genauso himmelblau strahlt wie an diesem Tag der Himmel über Friesland. Über das Internet hat er später sogar noch ein Original-Verkaufsprospekt erstanden.

Nach dem Mittagsstopp beim Forsthaus müssen die Schätzchen weiter rollen und pünktlich zur Pokalvergabe in Bockhorn sein. Über Sillenstede, Accum und Sande führt die fröhliche Fahrt. Und mittendrin schnauft und ruckelt tapfer die alte Liesel. . .

Oliver Braun
Oliver Braun Redaktion Jever
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