UPJEVER - Dröhnend knattert die Motorsäge, Sagemüller Raimund Baust entfernt die störenden Äste vom 60 Zentimeter dicken und rund vier Meter langen Eschenstamm, bevor er auf den Schlitten umgeladen wird. Langsam wird der Schlitten in den Sägeschuppen geschoben und das Sägeblatt platziert. Interessiert beobachten die Zuschauer das Schauspiel, das sich am Sonntag gleich zweimal an der Gattersäge ereignete.
Viertelstunde pro Bohle
Der Verein Gattersäge Upjever hatte zu seinem jährlichen Sägefest eingeladen. Eine Viertelstunde braucht die Horizontalsäge pro Bohle. Die ausgebildeten Sägemüller standen Rede und Antwort. Besonderes Interesse galt dem automatischen Vorschub, dem früheren Standort des Sägegatters oder der Haltbarkeit eines Sägeblatts.
Gleich neben dem Sägeschuppen hat der Wangerländer Gerold Leiner einige Stücke aus seiner Sammlung alter Motorsägen ausgestellt. Immer wieder führt er diese vor, einige legen auch selbst Hand an und helfen beim Sägen – und zwischendurch wird gefachsimpelt. Ein Stückchen weiter dreht es sich ebenfalls um die Holzbearbeitung. Drei der Sägemüller führten das Schneiden von Balken mit einer besonderen Führungsschiene für die Kettensäge vor.
Neben der Säge gab es auch alte Handwerkskunst zu bestaunen. Die beiden Korbflechter Adolf Harms und Hans Alfred Friedrich haben ihr Hobby vor 18 Jahren an der Volkshochschule Esens erlernt. Für einen mittelgroßen Korb braucht er rund 14 Stunden, berichtete Friedrich. Doch bevor die im Herbst geschnittenen Weidenzweige verarbeitet werden können, müssen diese ein halbes Jahr lang trocknen.
Da hat Helga de Buhr weniger Vorbereitungen zu treffen: Die gelernte Bildhauerin zeigte ihre Fingerfertigkeit an einem Sandstein. Kleine Skizzen helfen ihr bei der Formensuche. Gleich nebenan zeigte Klaus Wonneberger das Handwerk der Drechsler. Große Nachfrage gab es beim Hegering Wangerland, der mit Kindern Nistkästen bastelte. Edzard de Buhr von der Kunstschule Kiebitz schmiedete mit den Kindern Nägel. Die Freunde alter Landmaschinen aus Minsen präsentierten zwei ihrer Schmuckstücke, gerne nahmen die Besucher auf den alten Treckern Platz.
Für das leibliche Wohl war ebenfalls gesorgt: Die Frauen des Vereins verkauften Kaffee und Kuchen und das „Forsthaus“ bot Köstlichkeiten vom Grill an.
Verein 2005 gegründet
Von der Gründung des Vereins Gattersäge Upjever im November 2005 vergingen fast drei Jahre, bis das erste Brett gesägt werden konnte. Vergangenen Oktober wurde die Säge, die laut Zeitzeugen um 1920 in Rispel erstmals in Betrieb genommen wurde, offiziell eingeweiht. Seitdem ging die Mitgliederzahl im Verein stetig nach oben, die 50 ist inzwischen überschritten. Ein Grund mehr für den Vorsitzenden, Klaus Homola, beim Sägefest das 50. Mitglied, Johann Nöth, nachträglich willkommen zu heißen. Am Ende des Tages waren die 15 Sägemüller zufrieden, zwei große Eschenstämme hatten sie zu Bohlen verarbeitet.
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