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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

US-kubanische Annäherung befeuert Rum-Streit

12.06.2016
NWZonline.de NWZonline 2016-06-15T07:49:59Z 280 158

Kampf Um Havana Club:
US-kubanische Annäherung befeuert Rum-Streit

Miami Havana Club mag ein hervorragender Rum sein. Einzigartig ist die Marke jedoch nicht. Denn während sie auf Kuba seit der Revolution von der Regierung gebrannt wird, gibt es in den USA ein gleichnamiges Konkurrenzprodukt, das auf die ehemaligen Eigentümer zurückgeht. Seit 20 Jahren wird um die Rechte gestritten. Die gegensätzlichen Positionen sind dabei in vieler Hinsicht ein Spiegel der politischen Beziehungen zwischen Washington und Havanna. Die aktuelle Annäherung der beiden Staaten könnte dem Markenstreit eine neue Wendung geben.

Wie sehr die beiden Rumsorten Teil einer politischen Geschichte sind, zeigt schon die Werbung. Der von Bacardi in den USA vermarktete Havana Club wird in einem aktuellen Fernsehspot mit Anspielungen auf das lässig-entspannte Kuba vor der Machtübernahme Fidel Castros angepriesen. Die Web-Präsenz des vermeintlichen Originals, das in Kooperation mit Pernod Ricard weltweit verkauft wird, betont dagegen das Handwerk und die Traditionen in den Brennereien im Kuba der Gegenwart - im Kuba der Kommunisten.

Der Kern des Rechtsstreits ist allerdings weniger der ideologische Hintergrund. Es geht natürlich um Geld. Als US-Präsident Barack Obama 2014 ankündigte, die seit Jahrzehnten angespannten Beziehungen zu Kuba auflockern zu wollen, zeigte sich Pernod Ricard zuversichtlich. Denn ein Ende des Handelsembargos könnte bedeuten, dass der französische Spirituosen-Konzern „seine“ Variante des Havana Club künftig auch in den USA verkaufen darf. Doch ganz so leicht wird sich der auf Kuba gegründete und heute auf den Bermuda-Inseln ansässige Konkurrent Bacardi wohl nicht geschlagen geben.

In der Zeit des Kalten Krieges lieferte die kubanische Regierung ihren Havana Club vor allem an die sozialistischen Bruderstaaten in Osteuropa. Mit der Gründung eines Joint Venture mit Pernod Ricard im Jahr 1993 konnte der Absatzmarkt deutlich erweitert werden. Derzeit wird diese Version des legendären Rums in mehr als 120 Ländern verkauft. Eine Ausnahme bilden aber ausgerechnet die USA, der weltweit wichtigste Markt für Rum - nach Angaben des US-Herstellerverbandes Distilled Spirits Council wurde mit dem Verkauf von Rum im vergangenen Jahr hier ein Umsatz von insgesamt 2,3 Milliarden Dollar (rund 2,0 Milliarden Euro) erwirtschaftet.

Der US-Markt ist seit mehr als 50 Jahren fest in der Hand des Konkurrenzprodukts. Dieses geht auf die Familie Arechabala zurück, die 1935 die Original-Brennerei auf Kuba gegründet hatte. Nach der Beschlagnahme ihres Besitzes durch Castro im Jahr 1960 verkaufte die Familie den Markennamen und ein aus dem Gedächtnis handgeschriebenes Rezept an Bacardi. Seit Mitte der 90er Jahre wurde diese Version des Rums auch in einigen anderen Ländern verkauft. Ein kleiner Schönheitsfehler war allerdings schon immer der, dass das vermeintlich kubanische Produkt von Bacardi auf Puerto Rico und in Mexiko hergestellt wird.

Welcher Rum ist nun also der „wahre“ Havana Club? „Die Tradition der Rum-Brennerei auf Kuba reicht mehr als hundert Jahre zurück, und darauf bauen wir auf“, sagt Ian FitzSimons, Leiter der Rechtsabteilung von Pernod Ricard. „Wenn man einem Rum den Namen Havana Club gibt, dann sollte der auch aus Kuba kommen und mit kubanischen Produkten hergestellt werden.“

Bei Bacardi sieht man sich in anderer Weise als Vertreter der Tradition. Beim Kauf der Markenrechte sei es dem damaligen Firmenchef Manuel Jorge Cutillas vor allem darum gegangen, die enteignete Familie Arechabala zu unterstützen, sagt Bacardi-Vizepräsident Rick Wilson. Im Rahmen des Rechtsstreits hat Bacardi den Rum der kommunistischen Regierung immer wieder als „Ersatz Havana Club“ bezeichnet.

Pernod Ricard hat mit dem Verkauf ihres Havana Club im zurückliegenden Geschäftsjahr einen Umsatz von 9,7 Milliarden Dollar (8,5 Milliarden Euro) gemacht. Die Franzosen profitieren dabei stark von einer international steigenden Nachfrage nach Rumsorten im oberen Preissegment.

In dem angekündigten Ende des Handelsembargos sieht das Unternehmen daher eine große Chance. Um auf eine Öffnung des US-Marktes vorbereitet zu sein, werde Pernod Ricard in den kommenden Jahren 90 Millionen Dollar (80 Millionen Euro) in Kuba investieren, sagt Jérôme Cottin-Bizonne, der das Joint Venture mit der Regierung in Havanna leitet.

Der Konkurrent Bacardi veröffentlicht zwar keine detaillierten Verkaufszahlen. Aus einem Bericht des Unternehmens geht aber hervor, dass der Umsatz im Geschäftsjahr 2014 bei 4,48 Milliarden Dollar (3,94 Milliarden Euro) lag. Gerichtsunterlagen zufolge zahlte das Unternehmen der Familie Arechabalas für die Rechte an der Marke Havana Club einst 1,25 Millionen Dollar (nach heutigem Kurs 1,1 Millionen Euro).

Die Gerichte in den USA haben in dem seit den 90er Jahren andauernden Rechtsstreit überwiegend zugunsten von Bacardi entschieden. In den meisten anderen Ländern konnte sich allerdings Pernod Ricard durchsetzen. Zuletzt musste sich Bacardi etwa in Spanien in einem Markenrechtsverfahren geschlagen geben. Auch die Welthandelsorganisation WTO hat sich auf die Seite Kubas gestellt und die US-Urteile, bei denen es um von der Regierung des Karibikstaates konfiszierten Besitz geht, als Verstoß gegen internationale Handelsregeln bezeichnet.

Formell hat die kubanische Regierung die Marke Havana Club bereits im Jahr 1976 in den USA registrieren lassen. Und trotz der zwischenzeitlich stark abgekühlten politischen Beziehungen hat das Patentamt der USA die Forderungen von Bacardi, diese Registrierung zurückzunehmen, bisher stets abgelehnt. Am Ende sei diese Registrierung aber auch nicht entscheidend, sagt Bacardi-Vize-Präsident Wilson. Schließlich gebe es das Gewohnheitsrecht - und in all den Jahren sei auf dem US-Markt nur von den Exilkubanern Rum unter dem Namen Havana Club verkauft worden.