VAREL - Jeder kann ihn sehen, keiner kann ihn sprechen. Er hat schon eine besondere Situation, der Fahrdienstleiter im Bahnhof Varel. Sozusagen im Glashaus amtierend, dem von vorn und von beiden Seiten gut einsehbaren verglasten Stellwerk auf dem Bahnsteig 1, ist er in dem gut gesicherten und verschlossenen Kabäuschen doch für keinen Nichtamtlichen erreichbar.

Das hat schon seinen guten Grund. Denn wenn man vor dem großen Stelltisch steht, an dem die Fahrwege der Züge freigeschaltet und deutlich ablesbar angezeigt werden, wird schnell klar: hier ist Konzentration gefragt, möglichst frei von jeder Ablenkung.

„Gut aufpassen muss man schon“, bekräftigt Michael Poppe, 37, seit September 2010 als Fahrdienstleiter im Bahnhof Varel im Einsatz. Die Arbeit mache aber andererseits „viel Spaß“. Und der Druck der Verantwortung? Schließlich handelt es sich nicht um eine Märklin-Bahn. „Man lernt, damit zu leben“, sagt Poppe. Oberstes Gebot: sich keinesfalls „verrückt machen lassen“.

Der Normalbetrieb sei aber auch für einen Routinier eher undramatisch, betonen Poppe und sein Bezirksleiter Betrieb Stephan Halm (DB Netz Oldenburg), der an diesem Gespräch teilnimmt. Die Abläufe und gegebenenfalls notwendigen Absprachen mit anderen Stationen, hundertfach exerziert, „sitzen“. Man weiß, was zu tun ist, und tut es mit Ruhe.

Anders sei es bei allerdings seltenen Störungen, etwa wenn durch Verspätungen die Zugfolge neu geordnet werden muss. „Da muss der Fahrdienstleiter genau wissen, was er tut“, hat aber auch die Bezirksleitung als beratende und koordinierende Instanz im Hintergrund. Es gilt der Grundsatz „Sicherheit vor Pünktlichkeit“, ausdrücklich formuliert in der Fahrdienstvorschrift.


Fahrdienst ist Schichtdienst. In Varel gehen die Schichten werktags von 4.43 bis 14 Uhr und von 14 bis 00.15 Uhr, sonntags von 6.43 Uhr bis 01.18 Uhr. Michael Poppe hat noch zwei Kollegen; weiter gibt es bis zu 5 Ablöser.

Abzufertigen sind in der Regel täglich 60 Züge in 20 Stunden, davon 46 Personenzüge. Von 0.15 Uhr bis 4.43 Uhr ruht der Verkehr. Zu überwachen sind vier Gleise und 13 Weichen. Diese Bahnanlage und auch noch Abschnitte der angrenzenden Strecken bildet das Schaubild des Stelltisches ab. Das Stellwerk hat Relaistechnik, mit Tastenbedienung.

Die Fahrdienstleiter haben eine spezielle Prüfung für gerade dieses Stellwerk; das ist generell so. Im Übrigen haben sie eine gründliche allgemeine Fahrdienstausbildung. „Es ist der Beruf, den ich mir immer gewünscht habe“, sagt Michael Poppe. Dafür nimmt er auch Unbequemes in Kauf. In Falkenberg/Elster im Lande Brandenburg zu Haus, kommt er allein zum Arbeiten hierher, hat „hier eine Unterkunft“. Er ist derzeit Angestellter von DB Zeitarbeit.