VAREL - Große Schneisen klaffen auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände in Friedrichsfeld. An den Wegeränder liegen riesige Holzstapel – sechs an der Zahl. Vor etwa vier Wochen hat der Geländeeigentümer, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), dort eine Lärchen-Baumfällaktion durchgeführt – zum Ärger einiger Bewohner in Osterforde.
„An einem Freitag ging es los. Es hat geknackt und geknirscht und bis nach dem Wochenende angedauert“, erinnert sich Gabriele Niesel, die fast an der Grenze zu Friedrichsfeld wohnt. „Uns wird erzählt, dass wir unsere Hunde beim Spazierengehen anleinen müssen. Aber die BImA sägt in der Setzzeit einfach Bäume um.“ Verärgert habe Niesel dann bei Armin Tuinmann von der Unteren Naturschutzbehörde, Landkreis Friesland, angerufen, um sich über die Rechtslage zu informieren. Dieser habe gesagt, dass es naturschutzrechtlich dort erlaubt sei, zu fällen.
Rechtlich kein Problem
Im Nachhinein habe die 54-Jährige erfahren, dass sich halb Osterforde über die Baumfällarbeiten bei der Unteren Naturschutzbehörde beschwert habe. Rechtlich also kein Problem, aber wie sieht es mit dem Artenschutz aus? Nachbarin Candida Hoffmann, die immer mit ihrem Hund im Wald spazieren geht, fand direkt nach der Aktion vier Vogelnester mit zerbrochenen Eiern. „Jetzt sind sie verschwunden. Hätte ich das mal vorher fotografiert“, sagt Hoffmann. „Durch das Fällen der Bäume ist auch der Specht nicht mehr da.“ Niesel fügt hinzu: „Und Fledermäuse gibt es auch keine mehr.“ Hoffmann ist empört. Denn schon oft hätten Leute sie und andere Hundehalter beschimpft. „Immer sind es die bösen, bösen Hundehalter. Aber dass durch das Gelände Quads fahren und Baume gefällt werden, trägt wohl eher dazu bei, dass Tiere verschreckt werden. Mit geht es um Gerechtigkeit. Denn ich halte meinen Hund an der Leine.“
Tuinmann schrieb umgehend einen Brief an die BImA. Jens Eden von der Unteren Naturschutzbehörde bestätigte das auf Nachfrage derNWZ
. „Es werden noch Gespräche stattfinden“, sagt er. Auch Sönke Klug, Pressesprecher des Landkreises, ist über den Vorfall informiert. „Der Brief ging am 9. Juni an die BImA. Die Untere Naturschutzbehörde hat sich die Lage vor Ort angesehen.“ Normalerweise dürften laut Klug während der Setzzeit von März bis Oktober, keine Bäume gefällt werden.„Lediglich Pflegehiebe“
Das gelte jedoch nicht innerhalb eines Waldes. Klug: „Wir sind der Auffassung, dass es trotzdem aus artenschutzrechtlichen Gründen nicht gemacht werden sollte. Wir haben die BImA gebeten, dass solche Arbeiten in den Herbst- und Wintermonaten geschehen.“ Denn der Standort habe für den Naturschutz eine besondere Bedeutung.
Den Brief der Unteren Naturschutzbehörde hat Tuinmann an Forstoberrat Meinert Rosendahl (Bundesforstbetrieb Niedersachsen) weitergeleitet, der bei der Fällaktion vor Ort gewesen ist. Er versicherte auf Nachfrage derNWZ
, dass keine Vogelnester zu Schaden gekommen seien. Es habe gute Gründe gegeben, die Bäume verfrüht zu fällen.„Wir wollten die Trockenheit ausnutzen. Sonst hätten wir den Boden kaputt gemacht. Das war eine ganz normale Holzfällaktion. Es handelt sich lediglich um Pflegehiebe“, so der Forstoberrat.
Ein paar 100 Festmeter Holz seien geschlagen worden. Da Rosendahl erst kürzlich aus dem Urlaub zurück gekommen sei, habe er noch keine Gelegenheit gehabt, sich den Brief genauer anzusehen. Er werde sich aber bald mit Tuinmann darüber unterhalten.
