VAREL - In Varel wird nach den Sommerferien ein neuer außerschulischer Lernort eröffnet. Das Projekt für Technik und Natur, das es seit der Expo 2000 in Wilhelmshaven gibt, zieht mit einer Außenstelle ins Haus des Handwerks ein. Dort können sich Kinder und Jugendliche von der 2. bis zur 11. Klasse praxisorientiert mit den Themen Energie, Fliegen, Steuerung von CNC-Maschinen und Robotik auseinandersetzen. Das Thema Küstenschutz übernimmt das Nationalpark-Haus, das als außerschulischer Standort bereits etabliert ist.
Von der EU gefördert
Hintergrund des von der Europäischen Union und der hiesigen Wirtschaft zunächst für drei Jahre geförderten Projektes ist nach Aussagen von Maike Knop von der Vareler Wirtschaftsförderung der zunehmende Fachkräftemangel in Handwerk und Industrie. Der Lernort Technik und Natur soll bereits Grundschüler verstärkt für die Sparten Naturwissenschaft, Technik, Mathematik und Informatik begeistern.
Der Praxisanteil in den Schulen ist in den vergangenen 20 Jahren deutlich zurückgegangen, erklärt der Leiter des Projektes, Erich Welschehold. Die Begeisterung bei den Kindern und Jugendlichen für diese andere Form des Lernens sei deutlich zu spüren. Wir zeigen ihnen, wie man eigenständig lernt, sagt der 64-jährige Projektleiter, der Elektroingenieur und Lehrer ist. Wir sind nicht die bessere Schule, sondern bieten ein anderes Umfeld zum Lernen an. Viele Schüler seien überrascht, was sie alles können. Das liege daran, dass viele Fähigkeiten in der Schule gar nicht abgerufen würden. Selbst die begleitenden Lehrer seien nicht selten beeindruckt. Welschehold: Die Schüler bringen sich durch das handlungsorientierte Arbeiten vieles selber bei und bekommen das Gefühl vermittelt: Ihr könnt das.
6500 Schüler pro Jahr, darunter auch aus Varel und Umgebung, nehmen an den Projekten in Wilhelmshaven teil. Jede Klasse kommt an einem oder zwei Tagen im Jahr. Es sei kein Problem, so Welschehold, ein Jahr später an einem alten Projekt wieder anzuknüpfen, weil die Schüler mit Freude lernten. Übrigens lernen Jungen und Mädchen in der Regel getrennt. Die Jungen brauchen so nicht den Technikfreak raushängen zu lassen. Mädchen gehen oft viel planvoller an eine Aufgabe heran, erklärt Welschehold. Für beide Gruppen gelte aber: Ohne Vergangenheit keine Zukunft: Technikgeschichte gehört auch dazu.
Varel als neuer Lernort für Technik und Natur entlastet Wilhelmshaven; denn die Nachfrage ist groß. In der Wesermarsch ist ein weiterer Standort geplant. Ferner ist für Varel ein Experimentierclub vorgesehen. Dort können sich Jungen und Mädchen einmal pro Woche mit Natur und Technik beschäftigen. In Wilhelmshaven herrsche großer Andrang, so Welschehold.
Er ist so überzeugt von diesem außerschulischen Lernort, dass wir die Zahl der Schüler, in einen technischen Beruf gehen, verdoppeln. Wichtig sei aber, dass sie nicht erst kurz vor der Berufswahl mit Deichbau, Schiffsantrieben, regenerativer Energie oder auch Steuerungstechnik konfrontiert werden, sondern schon als Grundschüler.
Mehrwert für Varel
Wirtschaftsförderin Maike Knop zählt dieses Projekt zu ihren Lieblingen, höre sie doch immer wieder in ihren Gesprächen mit den Unternehmen, dass es einen Fachkräftemangel gebe. Als die Anfrage der Jade-Bay-Entwicklungsgesellschaft für das Projekt Lernort Technik und Natur an Varel herangetragen wurde, habe sie sich sofort nach einem Standort umgesehen. Der ist entscheidend für das Projekt, so Knop. Im Haus des Handwerks stünden 400 Quadratmeter zur Verfügung. Für die Schüler und Schülerinnen ist das ein tolles Projekt, für Varel ein Mehrwert, freut sich die Wirtschaftsförderin.
Am Mittwoch, 18. Juli, 18.30 Uhr, stellen die Wirtschaftsförderung und die Lokale Agenda 21 im Haus des Handwerks an der Neumühlenstraße Ecke Neumarktstraße das Projekt für Firmen und Schulen vor. Es waren nicht zuletzt die Unternehmen aus der Region, die das Projekt ermöglichten. Ein Fünftel der Kosten (130 000 Euro) musste aus der Region aufgebracht worden. Vier Fünftel kommen von der EU.
