VAREL/BOCKHORN - Für Hans-Uwe Hillen sind Blockheizkraftwerke (BHKW) kein Neuland. Er beheizt sein Haus in Grabstede seit 1996 mit einem umgebauten Renault-Motor und produziert gleichzeitig Strom. „Ich bin damals R4 gefahren. Und weil der gut lief, habe ich so einen Motor genommen“, erklärt der 66-Jährige. Seit acht Jahren tüftelt der gelernte Bauhandwerker mit seinem Freund Wolfgang Janßen aus Bockhorn an einem eigenen BHKW. „Unser Prototyp ist marktreif“, sagt der 71-jährige Janßen (Kaufmann mit technischer Ausbildung). Derzeit liefen Verhandlungen mit einem Vermarkter und einem Hersteller.

Entwickelt haben sie ihr BHKW mit einer elektrischen Leistung von 2,2 bzw. 4,5 Kilowattstunden in der Halle von Janßens Sohn Ingo Wolf in Winkelsheide. Der Maschinenbautechniker hat auch das erste genehmigte BHKW in seinem Haus stehen. Als Energie benutzt er Pflanzenöl und Heizöl, Gas wäre aber auch möglich.

Basis des BHKW ist ein „Deutz Dieselmotor Nachbau“, der in Lizenz in China hergestellt wird. Das Besondere am BHKW von Hillen und Janßen ist die Abgasreinigungsanlage, auf die das Duo ein Patent besitzt. „In der Reinigungs- und Neutralisierungsanlage wird der Feinstaub durch das Kondenswasser gebunden und ph-neutral in den Abwasserkanal geleitet“, erläutert Hillen. „Sie produziert also keinen sauren Regen.“

Vorher werden die heißen Abgase des Dieselmotors von zunächst 250 Grad durch einen Wärmetauscher auf 130 Grad abgekühlt. In der Abgasanlage sitzt ein zweiter Wärmetauscher und kühlt die Abgase noch einmal auf 35 Grad ab. „Neun Zehntel der eingesetzten Energie wird in nutzbare Wärme und in nutzbaren Strom umgesetzt“, erklärt Hillen nicht ohne Stolz. Die Effizienz liege deutlich über einer normalen Gasheizung.

Mit der produzierten Wärme erhitzt Ingo Wolf bei seinem BHKW einen Tank (Pufferspeicher) mit 1000 Liter Wasser, das er sowohl für seine Heizung im Wohnhaus als auch für Brauchwasser nutzt. Der Strom wird ebenfalls direkt im Wohnhaus verbraucht. Überschüssige Energie wird ins öffentliche Netz eingespeist. Laut Janßen reicht die 4,5-KW-Anlage aus, um ein Vier-Personen-Wohnhaus das ganze Jahr mit Strom und Wärme zu versorgen. Die Lautstärke (gemessen in einem Meter Entfernung) liege mit 45 Dezibel (db) zwischen einer handelsüblichen Gasheizung (35 db) und einer Waschmaschine (55 db).


Ein BHKW arbeitet nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und wird deshalb staatlich gefördert. „Wer Strom und Wärme gleichzeitig erzeugt, spart Brennstoff und entlastet die Umwelt“, schreibt das Bundesumweltministerium in seinem Informationsblatt für Mini-KWK-Anlagen. Zuständig für die Zuschüsse zum Kauf eines BHKW ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa). Neben dieser Förderung erhalten BHKW-Betreiber einmal im Jahr vom Zoll eine Mineralölsteuerrückvergütung. Hillen: „Das sind 5,50 Euro pro 100 Kubikmeter Gas. Beim Heizöl ist es ähnlich.“