VAREL - Die Idee, in Varel eine Freiwilligen-Agentur zu etablieren, ist durchaus sinnvoll und sollte weiterverfolgt werden. Das ist das Fazit eines Informationsabends zum Thema Freiwilligen-Agentur im Rathaus. Der Koordinator der Freiwilligen-Agentur Oldenburg, Henning Baden, gab einen Überblick über diese Einrichtung zur Förderung des ehrenamtlichen bürgerschaftlichen Engagements.
Agentur könnte koordinieren
Die Veranstaltung der Vareler Lokalen Agenda 21 hatte etwa 20 Teilnehmer. Aus diesem Kreis kamen überwiegend positive Stimmen zur Einrichtung einer Agentur. Varel habe viele Netzwerke, aber keinen Netzwerker, der da koordinierend und strukturierend Einfluss nehmen könne. Diese Rolle könnte eine Agentur spielen. Die städtische Agenda-Beauftragte Marion Borchardt resümierte, die Agentur-Idee werde offenbar „ganz positiv gesehen“. Es stehe „im Raum, ob eine solche Agentur bei der Lokalen Agenda“ ihren Platz finden könne.
Zunächst aber müsse „die heutige Information weiter ausgewertet werden“. Dann könne man überlegen, „wie der Prozess hier weitergehen kann“. Der Referent Henning Baden empfahl, zunächst eine umfassende Bedarfsermittlung für eine solche Agentur vorzunehmen.
Baden verwies in seinem Vortrag auf sehr verschiedene Trägermodelle. In Oldenburg – wie vielfach in Großstädten – sei die seit sieben Jahren existente Agentur eine genuin kommunale Einrichtung. Es gebe aber auch Trägerschaften in Vereins- oder Verbandsregie. Das Land Niedersachsen fördere die Agentur-Arbeit in besonderem Maße. Die Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligen-Agenturen (LAGFA) habe rund 60 Mitglieder. Eine Freiwilligen-Akademie Niedersachsen (FAN) widme sich der Fortbildung und Qualifizierung von ehrenamtlich Engagierten.
Zentrale Funktion einer Freiwilligen-Agentur ist es, Angebot und Nachfrage des ehrenamtlichen bürgerschaftlichen Engagements effizient zu vermitteln. Das geht, so Baden, bis hin zum „Maßschneidern“ individueller Wirkungskreise. Der einzelne Bürger, der sich engagieren wolle, könne der Agentur seine Wünsche und Vorstellungen – und auch seine Qualifikation – für ein solches Engagement darlegen. Die Agentur suche ihm dann einen „Einsatzplatz“ oder schaffe diesen gar in Absprache mit einem Engagement-Nachfrager.
Viele externe Partner
Nachfrage komme aus den verschiedensten Bereichen, von Vereinen und Schulen bis hin zu gemeinnützigen Einrichtungen oder Wohlfahrtsverbänden. Die Agentur Oldenburg arbeite mit rund 200 solchen externen Partnern zusammen. Sie rege da gegebenenfalls auch spezielle, für Ehrenamtliche geeignete Projekte an. Natürlich müsse die ehrenamtliche Aufgabe immer „zusätzlich“ sein. Es dürfe nicht etwa darum gehen, Lücken in regulären professionellen Mitarbeiter-Kontingenten zu füllen.
Ein weiteres Arbeitsfeld einer Agentur sei die Etablierung eigener Projekte. Neubürger-Betreuung, Hilfe bei Berufsfindung (Job-Paten) oder Schulausbildung (Bildungspaten) gehörten in Oldenburg dazu.
Bereitschaft von 34 Prozent
Insgesamt sei die Freiwilligen-Agentur ein hervorragendes Instrument, der gerade hierzulande besonders ausgeprägten Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement (Bereitschaftsquote Niedersachsen: 41 Prozent; bundesweit: 34 Prozent) ein sinnvolles Wirkungsfeld zu verschaffen. Ihr Effekt sei mehrfach positiv: für den engagementbereiten Bürger, für die beteiligten Verbände und Organisationen, für den sozialen Zusammenhalt und die Lebensqualität im kommunalen Gemeinwesen insgesamt.
