VAREL - Als Rolf Ammermann den Kanaldeckel mit der Aufschritt „Winicker Varel“ in der Gaststraße entdeckte, hat er sofort an den Heimatverein gedacht, mit dessen Unterstützung er gerade an der Geschichte des einstigen Gaswerkes und des Wasserwerkes arbeitet. Auch der Vorsitzende des Heimatvereins, Hans-Georg Buchtmann, war Feuer und Flamme für dieses Stück Vareler Wirtschaftsgeschichte. „Hin und wieder werden noch Zeichen der ruhmreichen Vareler Vergangenheit gefunden. So etwas darf nicht untergehen“, sagte er am Dienstag, als der Heimatverein diesen Kanaldeckel und einen zweiten mit der Aufschrift „Eisenwerk Varel“ präsentierte, der aus der Bismarckstraße stammt.

75 Kilogramm schwer

Eigentümer der 75 Kilogramm schweren und rund 100 Jahre alten Gullydeckel ist der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV), der 2006 das Klärwerk und die Kanalisation kaufte. Buchtmann schrieb an den OOWV-Verbandsvorsteher Karl-Heinz Funke (Dangast), der sich über den Wunsch freute, dass auf diesem Wege „zwei wertvolle Stücke“ Vareler Geschichte erhalten bleiben und künftig im Museum des Heimatvereins zu sehen sind. Der OOWV schenkte dem Heimatverein die Kanaldeckel.

Nach Darstellung von Buchtmann wurde Varel früher als das Manchester Norddeutschlands bezeichnet. „Es ist heute kaum noch vorstellbar, dass es in Varel mal sieben Maschinenfabriken gab. Das war im 19. Jahrhundert, als viele Güter über den Vareler Hafen verschifft wurden.

Eisenwerk 1840 gegründet


Das Eisenwerk Varel nahm 1840 an der Neumühlenstraße den Betrieb auf. Dort gründeten dieselben Eigentümer 1905 die Hansa-Automobilwerke. Weil der Platz mit der Zeit für beide Firmen nicht mehr ausreichte, kauften die Eigentümer die Fläche an der Dangaster Straße und bauten dort ein neues Domizil für das Eisenwerk. Die Aktiengesellschaft wurde im Zuge der Weltwirtschaftskrise in den 1920er Jahren liquidiert. Heute steht auf dem Gelände die Papier- und Kartonfabrik.

Die Maschinenfabrik Winicker & Lieber firmiert an der Hansastraße 1. Sie wurde 1887 gegründet und war früher auch eine Eisengießerei. Heute wird die Firma in der vierten Generation von Frank Walther geführt. Die einstige Dampfmaschine von Winicker & Lieber steht bereits im Museum an der Mühle. Vom früheren Eisenwerk gibt es zwei Bandsägen zu sehen.