VAREL - Einmal im Jahr veranstaltet die Gold- und Silberschmiedeinnung Oldenburg-Ostfriesland einen Wettbewerb für ihre Lehrlinge und Gesellen. Gleich zwei erste Plätze gingen diesmal nach Varel. Außergewöhnliche Stücke haben Gesellin Jördis Schulginn und die Auszubildende im dritten Lehrjahr, Lina-Maria Köhn, vorgelegt und damit die Teilnehmer ihrer Kategorie auf die Plätze verwiesen. Jedes Jahr stehen die zu fertigenden Schmuckstücke unter einem anderen Motto, dieses Mal drehte sich alles um „Hochstapler“.
Pyramide aus Gold
Jördis Schulginn widmete sich diesem Thema zweifach, indem sie auf einen Armreif nicht nur die hochgestapelte Pyramide Tutanchamuns aus Gold setzte, sondern auch eine Grabinschrift mit dem Namen Felix Krull einfügte. Eine filigran anmutende Palme, ägyptische Schriftzeichen, kleine Opale und Swarowskisteine runden das Kunstwerk ab.
Eine andere Idee leitete Lina-Maria Köhn. Hochgestapelt hat sie in liebevoller Detailarbeit ein so winziges wie vollständiges Kaffeegeschirr, allerdings nicht auf einen Armreif, sondern auf einem Zweifingerring. Selbst Fimo hat die Auszubildende dafür verwendet, damit in dem Geschirr noch Kaffee und Kekse zu finden sind. „Es sollte ein bisschen verrückt aussehen“ sagt sie, und das ist ihr auch gelungen. Keine Ordnung herrscht da, im Gegenteil: Der Betrachter hat das Gefühl, jeden Augenblick müsse alles kippen. Und genau das tut es dank der eingebauten „Umfall-Funktion“ auch. Wird ein kleines Knöpfchen gedrückt, „fällt alles wie ein Kartenhaus in sich zusammen“, erklärt die Schöpferin dieser Kreation. Dabei liegt der Gedanke zugrunde, dass der Hochstapler sein Lügengerüst wie ein zerbrechliches Kaffeegeschirr aufbaut.
Die von den Zulieferern der Innung zur Verfügung gestellten Preise nehmen sich dabei ähnlich ungewöhnlich aus wie die ausgezeichneten Schmuckstücke. Neben Feingoldbarren und Schmucksteinen erhielten die zwei Gewinnerinnen hochwertiges Arbeitswerkzeug wie Goldschmiedezangen, Ringbiegemaschinen oder ein Ultraschallgerät zur Schmuckreinigung.
Schöne Bestätigung
Für Schulginn und Köhn sind die ersten Plätze eine schöne Bestätigung ihrer Fähigkeiten in einem Handwerk, das sie in der Goldschmiede von Bettina Filmer in Varel gelernt haben bzw. noch lernen und zu dem sie auf sehr unterschiedlichen Wegen gelangt sind. Für Schulginn war recht früh klar, welchen Beruf sie ergreifen würde: „Ich stand als Mädchen auf dem Weg zum Kinderarzt schon immer vor dem Fenster einer Goldschmiede, und nach dem Abitur gab es da nichts mehr zu überlegen.“
Köhn hingegen versuchte sich zuerst im Studium der Umweltwissenschaften, suchte dann jedoch nach Alternativen, da sie sich dort nicht so recht in ihrer Disziplin fühlte. Nach der Rückbesinnung auf ihr Interesse an kreativer Arbeit strebte sie ein Praktikum in einer Goldschmiede an, das jedoch nicht zu bekommen war. Stattdessen bot ihr Bettina Filmer damals an, sich auf einen Ausbildungsplatz zu bewerben, womit der Grundstein für eine kleine Erfolgsgeschichte gelegt war. Heute gilt für sie: „Auf zum nächsten Wettbewerb, und das Gesellenstück kommt auch schon bald!“
