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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Bitcoin-Spezial: Profi und Neueinsteiger über Erlebnisse im Bitcoin-Dschungel

22.12.2017

Varel /Hude Jeder kann in den Bitcoin einsteigen. Vorher ist es allerdings notwendig, sich über Kryptowährungen zu informieren. Egal ob Neueinsteiger oder Profi – darüber sind sich Thomas Meier (Name von der Redaktion geändert) und Bastian Wilkat einig.

Sehen Sie hier eine Grafik zu Hintergründen und dem Aufstieg des Bitcoins

Lesen Sie auch: Interview mit Vermögensberater Matthias Krapp über Vorteile, Gefahren und den Reiz der Kryptowährungen

Der Neueinsteiger

Meier kommt aus Varel. Er studiert und hilft nebenbei im Betrieb seiner Eltern aus. In seiner gemütlich eingerichteten Küche erzählt der 34-Jährige von seinen Bitcoinanfängen. Vor wenigen Wochen, Anfang November, liest er, dass der Wert des Bitcoins immer weiter steigt, zu der Zeit ist einer gerade knapp 5800 Euro wert. „Vielleicht ist das ja was“, denkt er. Ein Freund von ihm hat zu dem Zeitpunkt bereits Anteile der Kryptowährung gekauft und ist sein Ansprechpartner, bevor er Mitte November bei einem Wert von 9000 Euro selbst einsteigt.

Thomas Meier checkt den Bitcoin-Kurs.

Der Kaffee, den seine Frau gekocht hat, ist inzwischen durchgelaufen. Es gibt Kekse und zwischendurch setzt sich auch mal ein Kind mit an den Küchentisch, während Thomas Meier seine App zeigt, mit der er seine Wallet im Blick hat. Er zeigt, wie umständlich es ist, sich da anzumelden. Es soll ja niemand einfach so drauf zugreifen können.

Wussten Sie schon, dass...

...der Bitcoin nur eine von vielen Kryptowährungen ist? Kryptowährungen sind nur im Internet und auf Rechnern vorhanden. Sie werden dezentral verwaltet, Banken und Staaten sind nicht beteiligt. Das System basiert auf Mathematik und Algorithmen. Und das war auch der Wunsch der Erfinder. Der Wert von digitalen Währungen steuert sich selbst anhand von Angebot und Nachfrage.

...Investoren in Chicago jetzt auch mit Bitcoin-Futures an der Terminbörse Chicago Mercantile Exchange (CME) handeln können? Mit einem Future wetten Anleger auf den zukünftigen Preis eines Produkts zu einem bestimmten Termin – in diesem Fall wird spekuliert, ob der Kurs des Bitcoins steigt oder fällt.

...die Blockchain (Kette von Blöcken) die Grundlage digitaler Währungen ist? Diese bahnbrechende Technologie ermöglicht das Erzeugen einmaliger Daten, zum Beispiel Bitcoins, im Internet. Das Kopieren oder Fälschen ist fast unmöglich. Die Inhalte und sämtliche Transaktionen bilden die Blockchain. Die gesamte Blockchain ist auf allen zugehörigen Rechnern identisch gespeichert und jede kleine Veränderung fiele sofort auf.

...für den Erwerb digitaler Währungen eine Wallet benötigt wird? Jede Wallet hat einen eigenen Schlüssel, ist anonym und kann mit einem Passwort geschützt werden. Es gibt Online-Wallets und spezielle Geräte.

...die Herstellung von Bitcoins als Mining (Schürfen) bezeichnet wird? 2009 reichten dafür noch einzelne Computer, mittlerweile ist die erforderliche Rechnerleistung so hoch, dass große Rechenzentren nötig sind. Für die Produktion von Bitcoins wird so viel Strom im Jahr verbraucht, wie für die Versorgung einer 1,2-Millionen-Einwohner-Stadt.

Viele Plattformen, auf denen mit Bitcoins gehandelt wird, sind auf Englisch und häufig auch nicht so übersichtlich. „Da musste ich mich erst einmal einarbeiten“, erzählt er, „mein Englisch ist auch nicht so gut.“

Einfach so in den Bitcoin einzusteigen, davon rät der 34-Jährige ab: „Ein paar Stunden sollte man sich vorher schon damit beschäftigen.“

Natürlich könnte er sich auch danach ständig damit beschäftigen: verkaufen, wenn der Ausschlag hoch ist und wieder einsteigen, sobald der Wert sinkt.

Er lässt es lieber liegen, denn ständig die Kurve im Blick halten – das ist ihm zu stressig. „Aber er schaut schon ziemlich viel auf sein Handy“, erzählt seine Frau, lächelt, ist aber auch ein wenig skeptisch. So geht es aber vielen. „Das ist eben ein bisschen wie Lotto spielen“, meint er.

Ob er Angst vor der Blase – oder viel mehr dem Platzen – hat? „Ne, es darf eben nur so viel drinstecken, wie man auch bereit ist, zu verlieren.“ Er hat vor allem Spaß daran. Schon früher fand er Aktienhandel interessant, aber er hat nie den richtigen Einstieg gefunden.

Bei Bitcoins wird der den Nutzern ziemlich leicht gemacht. Der Vareler sieht auch die Gefahren von Bitcoininvestments: „Ständig die Kurse beobachten, das kann süchtig machen.“ Bei ihm klingt Bitcoininvestment eher wie ein Glücksspiel – und vielleicht beschreibt es das auch ganz gut.

Viele seiner Bekannten haben versucht, ihm davon abzuraten. „Aber die, die Bitcoin haben, sind sehr froh darüber.“ Für ihn besteht die größte Gefahr, dass das Geld plötzlich weg sein kann. Nicht falls es eine Blase, die platzt, sondern weil das Geld durch einen kleinen Fehler bei jemand völlig Falschem landen kann – und wenn der das nicht wieder zurückgibt, ist es eben weg.

Ansonsten ist das Investment in Bitcoin für Thomas Meier eher ein Spiel mit dem Risiko – bei dem am Ende im besten Fall mehr Geld da ist als am Anfang.

Der Versierte

Bastian Wilkat beschäftigt sich schon länger mit Kryptowährungen und vor allem mit der dahinterstehenden Blockchaintechnologie. Der 30-Jährige lebt in Hude, ist Unternehmensberater für die Oldenburger Business Technology Consulting AG und selbstständiger Unternehmer im Bereich der virtuellen Realität.

Unternehmer Bastian Wilkat
2011 hat er zum ersten Mal von Bitcoin gehört. Bei einer Veranstaltung gab es dazu einen Vortrag – den Bastian Wilkat nach zehn Minuten wieder verlassen hat. „Ich dachte, das ist ja totaler Quatsch“, erzählt er, „das klang wie Spielgeld , nicht wie eine richtige Währung.“ Doch im Laufe seines Wirtschaftsstudiums hat sich der 30-Jährige mit Staat, Geld und Wirtschaft auseinandergesetzt und ist dann irgendwann in einem Internetforum auf lange Zahlenreihen gestoßen: öffentliche Schlüssel für Bitcoin-Wallets.

Ende 2012 hat er dann doch Bitcoin ge- und auch wieder verkauft und sich vor allem auch mit der Informatik beschäftigt, die dahintersteckt. Und die Blockchain-Technologie hat es ihm angetan. „Ich bin in relativ spät wieder in Bitcoins eingestiegen, erst im März“, erzählt er. Er hat auch bei anderen Kryptowährungen investiert, eine davon ist Ethereum. Sein Geld hat sich erheblich vervielfacht. „Das ist natürlich schön, aber nicht mein Ziel. Ich bin nicht am potenziellen Geldgewinn interessiert, sondern an der Technologie, die dahintersteckt.“

Kurioses zu Bitcoins

2009 hat der Waliser James Howells 7500 Bitcoins geschürft, auf einer Festplatte gespeichert – und diese entsorgt. Nun sind die mittlerweile wertvollen Bitcoins wahrscheinlich verloren. Denn er selbst darf nicht auf die Müllhalde und die Mitarbeiter der Stadtverwaltung gehen davon aus, dass die Festplatte mittlerweile zerstört ist.

Hessen möchte mit Bitcoins Geld verdienen. Im Jahr 2014 wurden bei einer Razzia 126 Bitcoins beschlagnahmt. Inzwischen sind sie knapp zwei Millionen Euro wert. Im Vergleich zu Bulgarien ist das aber schon fast wenig: Das EU-Land hat im Mai 2017 mehr als 210.000 Bitcoins beschlagnahmt. Damals war der Fund schon rund 400 Millionen Euro wert – mittlerweile mehr als 3 Milliarden Euro.

10.000 Bitcoins hat ein Programmier für zwei Pizzen gezahlt. Laszlo Hanyec hat im Mai 2010 über ein Internetforum einen Verkäufer gesucht und gefunden. Zu der Zeit waren 10 000 Bitcoins rund 40 Dollar wert, inzwischen sind es gut 160 Millionen. Damals hat noch keiner geahnt, wie sich der Wert entwickeln würde. Aber eins ist geblieben: Am 22. Mai jeden Jahres ist Bitcoin-Pizza-Day.

Haus gegen Bitcoins: Ein privater Nutzer aus Schortens verkauft sein Einfamilienhaus und bevorzugt die Bezahlung in Bitcoins. Und auch, wenn die gewünschte Zahlart (noch) eher ungewöhnlich ist, soll natürlich alles mit Richtigkeit über die Bühne gehen. Die Umschreibung und sonstige Formalitäten gehen wie sonst auch über einen Notar vonstatten.

Gerade Ethereum biete viele Möglichkeiten. Die Elemente der Blockchain sind hier nicht (nur) Teil einer Währung, sie bieten auch die Möglichkeit, Informationen zu übertragen. Sogenannte smart contracts (Computerprotokolle, die Verträge abbilden oder überprüfen oder die Verhandlung oder Abwicklung eines Vertrags technisch unterstützen) lassen sich zum Beispiel abbilden. „Es gibt keine Technologie, in der sich zurzeit so viel verändert. Ein Gefühl von Aktualität ist unmöglich.“ Wilkat geht es bei Kryptowährungen nicht um Anlagemöglichkeiten. Betrügereien seien möglich, genauso wie ein Absturz des Kurses. Deswegen warnt er Laien auch, damit „die schnelle Mark zu machen“.

Angst vor einer Blase hat der Unternehmer aber nicht, denn „eigentlich kann da nichts passieren“. Der Kurs schwankt jeden Tag enorm, doch auch wenn „alles abkackt“ – die Auswirkungen werden seiner Meinung nach aufgrund der Dezentralität gering sein: „Kein Imperium wird mit untergehen.“ Doch der Begriff der Blase ist stark emotional aufgeladen und das schürt laut Bastian Wilkat die Ängste.

Wilkat selbst geht recht entspannt mit seinem „Einsatz“ um. Der 30-Jährige versucht, sein Portfolio nur einmal täglich zu checken. Er will da auch nicht in irgendwelchen Aktionismus verfallen, weil es mal hoch- und mal runtergeht. Für ihn ist das eher eine Entscheidung für die nächsten Jahre und vor allem ein Investment in eine Technologie, an die er glaubt. Beim Erzählen über Blockchains wird er ganz enthusiastisch und versucht auch, das Ganze für Laien einfach zu machen.

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Thomas Meier und Bastian Wilkat haben zwar ganz unterschiedliche Gründe für ihren Einstieg in die digitalen Währungen. Dennoch haben beide etwas gemeinsam: Sie agieren vorsichtig und lassen sich nicht verrückt machen.

Hinweis der Redaktion: Thomas Meier möchte anonym bleiben. Da er Unterstützung vom Jobcenter beantragt hat, ist er unsicher, ob er Erspartes investieren darf. Auf Nachfrage teilte die Agentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven mit, dass alle, die Leistungen vom Jobcenter zum Lebensunterhalt beziehen, alle Einkünfte angeben müssen – auch aus Bitcoin-Spekulationen. Einnahmen bis 100 Euro pro Monat dürfen behalten werden, bei jedem Euro, der darüber hinaus verdient wird, mindert das die Höhe der vom Jobcenter ausgezahlten Leistung.

Manuela Wolbers Redakteurin / Online-Redaktion Ostfriesland
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