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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Keine Sorge um die Arbeitsplätze im Nordwesten

27.04.2018

Varel /Nordenham

Frage: Herr Ehm, Sie haben jeden Tag mit Flugzeugteilen zu tun. Die stecken in sehr vielen Flugzeugen. Welches ist Ihr Lieblingsjet?
Ehm: Die A350 XWB! Das ist technologisch ein besonders faszinierendes Flugzeug. Es wurde quasi komplett mit 3D-Design entwickelt. Premium Aerotec liefert bis zu 17 Meter lange Rumpfsegmente komplett aus CFK, übrigens aus dem Werk Nordenham. Es war eine spannende Herausforderung, den recht steilen Produktionshochlauf für dieses noch junge Flugzeug zu meistern. Eine tolle Leistung unserer Teams!
Frage: Premium Aerotec gehört zu den großen Ausstellern bei der Luftfahrtschau ILA in Berlin. Was wollen Sie vor allem zeigen?
Ehm: Wir zeigen, was wir technisch drauf haben. Dazu zählt das Modell einer völlig neuen Druckkalotte, das ist der große hintere Abschluss der Flugzeugkabine. Unsere Weltneuheit ist aus leichtem und verformbarem Thermoplast-Material statt aus Metall. Augsburg ist federführend, aber alle Werke sind beteiligt. Viele kleine Teile aus Thermoplast werden bereits in Bremen gefertigt. Andere Beispiele sind Bauteile aus dem metallischen 3D-Druck. Da sind wir sehr gut aufgestellt und treiben ihn speziell am Standort Varel voran. Auf der ILA zeigen wir mehrere 3D-gedruckte Teile, zum Beispiel ein filigranes Ventil oder einen besonders belastbaren Aufbockpunkt aus dem Rumpfheck. Solche Teile benötigen viel weniger Material als bisher, bei höherer Belastungsfähigkeit.
Frage: Apropos 3D-Druck. Premium Aerotec hat gerade von der Mutter Airbus einen 3D-Druck-Spezialisten zugekauft, Apworks aus Ottobrunn mit 25 Beschäftigten. Wird der jetzt bei den Experten in Varel angedockt?
Ehm : Nein, uns geht es hier um eine enge Zusammenarbeit. Apworks hat seine Stärken in besonders kreativen Start-up-Strukturen, in seiner Agilität, und im Konzept und Design von Produkten. Und man hat ein eigenes Material, das quasi unsere Palette erweitert. In Varel wird dagegen produziert. Es sind viele Vorteile denkbar. Sollte etwa Apworks einen Kunden bedienen, der von einem Produktentwurf eine große Stückzahl oder eine Serie haben will, dann wäre Varel der indus­trielle Partner dafür. Dort wird auch weiterhin unser 3D-Druckzentrum sein, daran wird sich nichts ändern.
Übrigens: Der Vareler Werkleiter Gerd Weber wird Aufsichtsratsvorsitzender bei Apwoks. Er wird in die Aktivitäten Vareler Kompetenz einbringen und Aktivitäten auch koordinieren.
Frage:
Frage: Ist der in Varel der vor etwa zwei Jahren begonnene Aufbau eines 3D-Druckzentrums abgeschlossen?
Ehm : Wir haben beim Umbau von Hallen und bei der Installation von Druckern ein sportliches Programm hinter uns. Der Aufbau wird aber wohl nie ganz abgeschlossen sein. Die Entwicklung der Drucker geht unwahrscheinlich schnell weiter. Die Maschinen der verschiedenen Hersteller werden immer leistungsfähiger, sie arbeiten heute schon teils mit vier Lasern gleichzeitig – wir hatten mit nur einem angefangen. Aber, ja: Wir sind inzwischen in der Serienproduktion.
Frage: Wie läuft das gemeinsame Vareler Projekt mit Daimler und dem 3D-Druck-Spezialisten Eos?
Ehm : Sehr gut! Es nimmt immer konkretere Formen an. Bei diesem Projekt im Technologiezentrum in Nachbarschaft des Werkes haben wir uns bisher mit der Konzeption befasst. Jetzt beginnen wir mit dem Aufbau der integrierten Produktionszelle. Parallel fertigen wir erste Autoteile aus Aluminiumpulver. Gelingt die automatisierte, kostengünstige Produktion für die Autoindustrie, dann würde sich das auch für den Flugzeugbau anbieten. Dort sind wir bisher schwerpunktmäßig mit Titan unterwegs.
Frage: In Varel arbeiten rund 1600 Mitarbeiter, davon rund acht Prozent Leiharbeitskräfte. Wie geht es dort mit der Beschäftigung weiter?
Ehm: Die dürfte im Großen und Ganzen konstant bleiben. Aber nicht alle werden immer weiter das Gleiche tun. Wir haben dort aber schon vieles optimiert und die neuesten Maschinen im Einsatz. Varel wird immer ein Werk sein, in das wir die neueste Technologie hineinbringen. Auch beim 3D-Druck hatten wir uns bewusst für Varel entschieden.
Frage: Bedrohen der 3D-Druck und andere Technologien nicht den klassischen Vareler Arbeitsschwerpunkt in der herkömmlichen Zerspanung von Metall?
Ehm : Nein, sie ergänzen sich eher. Die Arbeit wird dort nicht ausgehen. Längst nicht alles eignet sich für 3D-Druck. Nicht immer gibt es Kostenvorteile. Es gibt auch künftig komplexe Formen, die nicht ohne Zerspanung gehen oder die nachgearbeitet werden müssen.
Frage: Noch größer als das Vareler Werk ist das in Nordenham. Dort arbeiten mehr als 3000 Menschen. Dort werden Schalen für verschiedenste Airbus-Jets gefertigt. Wird das wohl auch in – sagen wir – 20 Jahren noch so sein?
Ehm : In Nordenham geht es um sehr komplexe, große Strukturbauteile. Die werden mit modernster Technik und dem höchsten Automatisierungsgrad gefertigt. Nur so ist das auch am Industriestandort Deutschland weiter entwickelbar. Wir leben vom technologischen Vorsprung. So lange es gelingt, diesen hohen Stand auszubauen, gibt es keinen Grund, dass sich etwas Grundlegendes in Nordenham ändern sollte.
Frage: Was wird dafür in Nordenham investiert?
Ehm: Ein erheblicher Teil unserer Jahr für Jahr hohen Investitionen im dreistelligen Millionenbereich fließt nach Nordenham. Kürzlich zum Beispiel für Anlagen zur Herstellung unserer bisher größten Rumpfschale aus Metall. Sie ist für die A321 LR – Long Range – bestimmt, die für sehr lange Flugstrecken geeignet ist. Außerdem gibt es in Nordenham nun eine neue Linie für die getaktete Serienproduktion. Jetzt bereiten wir den Produktionshochlauf vor. Dies sind auch für Nordenham die bisher größten Schalen.
Frage: Premium Aerotec als Zulieferer spürt jetzt massiv, dass bei Airbus der Absatz der Modelle A400M und A380 schlechter läuft als einmal geplant. Das betrifft vor allem den Standort Augsburg, wo Stellenabbau droht. Sind auch Jobs in Nordenham und Varel gefährdet? Muss man sich im Oldenburger Land Sorgen machen?
Ehm: Dazu sage ich ein klares Nein. Allerdings wird die technologische Weiterentwicklung auch Veränderungen bei der Arbeit mit sich bringen.
Frage: Wie in Varel sind auch in Nordenham Leiharbeitskräfte beschäftigt, etwa 500 von insgesamt rund 3000 Beschäftigten am Standort. Werden die angesichts der ja wohl dauerhaft guten Auslastung übernommen werden?
Ehm : Das haben wir schon bisher gemacht, und wir werden es weiter tun: Wir werden sicherlich einige übernehmen, aber ob das alle sind, kann ich nicht zusagen. Leiharbeit hat uns in der Vergangenheit sehr dabei geholfen, flexibel auf Schwankungen in der Produktion zu reagieren. Wir wollen dieses Instrument auch weiterhin nutzen, wenngleich auch in geringerem Umfang.
Frage: Immer wieder gibt es Spekulationen, dass der Verkauf von PAG durch Airbus bevorsteht. Das nervt Sie, oder?
Ehm: Das würde ich so nicht sagen. Das Ziel, Investoren zu finden, wurde bereits bei der Gründung von Premium Aerotec vor zehn Jahren klar formuliert. Sonst würde es uns gar nicht geben. Wir tragen das natürlich mit, weil darin eine gute Perspektive für Premium Aerotec liegt. Die Frage ist nicht das Ob, sondern: Wann?
Frage: Also wann?
Ehm: Das müssen Sie Airbus fragen...
Rüdiger zu Klampen
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